Vorwort:
Es ist schon nicht richtig, wenn eine Seite, die sich vorrangig mit Horror-, Monster- und Science-Fiction der 30er bis 70er beschäftigt (und da vor allem mit den absurden und unbekannten Vertretern) erst nach über 80 Review zum Namen Roger Corman schreitet. Ok, ganz stimmt das dann doch nicht – ich hatte ja, als eines der ersten Reviews sogar, „damals“ seinen Slasher „Sorority House Massacre“ besprochen. Aber mal ernsthaft: Wer denkt bitte an diesen vergessenswerten 80s Slasher, wenn er den Namen Roger Corman hört? Natürlich keiner.
Heute beschäftigen wir uns deswegen erstmals mit des Rogers goldener Ära, die von seiner ersten AIP-Arbeit Ausgeburt der Hölle bis, sagen wir mal dem Ende seines Edgar Allen Poes Zyklus Mitte der 60er dauerte. In dieser Zeit hat es der gute Mann auf zahllose günstige Hobel gebracht, die sich an den Kassen der Drive-Ins aber sehr gut hielten – meistens heruntergekurbelt in einer Woche mit Budgets zwischen 60.000 bis 100.000 Dollar. Ok, für die Edgar Allen Poe Dinger hatte er dann auch mal etwas mehr, aber dennoch: Die AIP-Corman Filme sind ja etwas für sich… und genau nach so etwas war mir mal wieder. Da ich die meisten AIP-Monsterfilme aus dieser Zeit aber schon durch hatte, habe ich diesmal zu einem etwas „unbekannteren“ Werk gegriffen, der da, so Vorsicht, festhalten, heißt: The Saga of the Viking Women and Their Voyage to the Waters of the Great Sea Serpent. Ja, richtig. Weiß der Geier, wer bei AIP sich DAS ausgedacht hat. Ne „besonders intelligente“ Werbeaktion kann es aber nicht gewesen sein, denn der geläufige Titel (und der steht auch auf dem Plakat) lautet weniger umständlich einfach Viking Women and the Sea Serpent. Das hört sich nach guter Abwechslung zum restlichen AIP-Output jener Jahre an, geradezu nach einem epischen Wikinger-Abenteuer… aber man bedenke, es ist ja immer noch ein AIP-Corman-Film!
Inhalt:
Eine Gruppe Wikinger-Frauen von Stannjold (fragt mich nicht, was genau das sein soll) hat ein schwerwiegendes Problem: Ihre Männer (bis auf einen gewissen Ottar, der ist offenbar zurückgeblieben) sind irgendwann mit dem Schiff auf Reise gegangen, aber nicht mehr wiederaufgetaucht. Schließlich versuchen die Frauen also, ihre Männer wieder zu finden. Zuerst müssen sie über das große Meer, das von der furchtbaren Seeschlange heimgesucht wird. Sie bewältigen dieses Hindernis und finden auf dem Land jenseits des großen Wassers einen Haufen Barbaren wieder, angeführt vom gemeinen Stark. Dieser hat ihre Männer versklavt und tut mit den Frauen nun selbiges…
Besprechung:
Diesmal hat mich der alte Corman (Gott hab ihn selig) doch glatt überrascht. Gerade seine Monsterfilme in den 50ern sind ja manchmal dann doch etwas zu billig und entsprechend nicht gerade ein Feuerwerk der guten Laune, da denke ich vor allem an Ausgeburt der Hölle und Die letzten Sieben. It Conquered the World ist alleine wegen dem bescheuerten Monster sehenswert, The Wasp Woman ist ganz nett, Attack of the Crab Monsters, Not of this Earth und Planet der toten Seelen pendeln sich im Mittelfeld ein. Oftmals schaffte es der alte Sparfuchs ja nicht mal, 70-Minüter spannend zu gestalten. Nicht falsch verstehen: Seine Monster (oder besser: die vom chronisch unterbezahlten Paul Blaisdell) waren ja immer ganz putzig, aber wenn sie innerhalb von 70 Minuten nur ein paar kurze, wenige Auftritte haben, macht das den (Film)Braten auch nicht mehr fett. Und vorweg: In The Saga of the Viking Women and Their Voyage to the Waters of the Great Sea Serpent (ich werde jetzt konsequent den langen Titel verwenden) kommt die „Sea Serpent“ auch nicht gerade oft vor – aber dafür haben wir genug andere Sachen, die Spaß bringen.
Ohnehin sieht der Film überraschend gut aus. Also nicht „gut“ im eigentlichen Sinne. Aber für einen Produzenten/Regisseur, der ansonsten einfach nur im Wald oder in irgendwelchen Häusern filmte, steht’s schon gut zu Gesicht, wenn er mal ein richtiges Set hat, das sogar zum Thema passt. Diesmal ist es eine richtige Burghalle/ein mittelalterlicher Festsaal! Das hat mich geradezu in Staunen versetzt, dass Corman das aus dem 60.000 bis 70.000 Dollar großen Budget herausgeholt hat. Aber auch ansonsten hält sich der Film überraschend wacker, denn die Story ist zwischen den Monsterfilmen ausnahmsweise mal kein simpler Filler. Bei den anderen AIP-Filmen war das Skript zwischen den Monsterauftritten meistens ja ziemlich belanglos und wurde mit dümmlichen Quatsch aufgefüllt, damit man überhaupt auf eine „abendfüllende“ Spiellänge kam (ich erinnere nur gerne an Die letzten Sieben, wo sehr viel über sehr uninteressante Dinge gelabert wurde). Liegt vielleicht daran, dass das Skript diesmal nicht von einem typischen AIP-Stümper á la Lou Rusoff oder Charles B. Griffith stammt. Diesmal war es ein gewisser Lawrence L. Goldman, der 1957 ebenfalls Kronos und 1958 noch Cormans Planet der toten Seelen schrieb. Gekauft’s wurde dann von den Harryhausen für Arme, aka Louis DeWitt, Irving Block und Jack Rabin, die, wir erinnern uns, in den 50er Jahren zahllose B-Filme mit zugegebenermaßen gar nicht mal so schlechten Special-Effects versorgten. Die drei bequatschten Corman dann und versprachen ihm wohl das Blaue vom Himmel herab, denn später sagte der Meister, er hätte einen Fehler gemacht, auf das Angebot einzugehen (was ich nicht so sehe). Offenbar war er von der Story (die im Gegensatz zu den anderen AIP-Skripts wie gesagt geradezu spannend ist) so begeistert, dass er es schon mit 200.000 bis 300.000 Dollar verfilmen wollte – klar, dass AIP darauf nicht einging, damit hätte man ja locker sechs bis sieben Filme drehen können! Immerhin konnte man aber den „Wikinger-Hype“ mitnehmen, der The Vikings, eine Major-Produktion, kurz darauf verursachte.
Naja, am Ende sind’s wie gesagt wieder nur das übliche Taschengeld geworden. Das Skript an sich wäre aber, da lag Corman nicht mal falsch, auch für eine größere Produktion geeignet gewesen. Es ist selbstredend nicht intelligent oder weniger dumm als die anderen AIP-Filme (ja sind mir hier sogar mehr Logikfehler aufgefallen, als in den anderen Streifen), hat dafür ein hohes Tempo und hält sich auch nicht mit einer überlangen Exposition auf. Gleich zu Anfang geht’s rund mit der Wahl darüber, ob man die Wikinger-Männer retten soll. Wo die hin sind? Woher die Wikinger-Frauen wissen, wo sie ihrerseits nach ihnen suchen müssten? Warum mit Ottar dann trotzdem noch ein Mann unter ihnen weilt? Keine Ahnung, die Fragen werden nie beantwortet. Der Film wirkt aber auch eher wie eine alte Saga (daher der Titel) oder wie ein altes Märchen, dementsprechend kann man sich mit der Ausgangslage gut anfreunden – passend dazu werden auch die Namen der Beteiligten am Anfang präsentiert: In Form eines alten Märchenbuches.
Ansonsten erzählt der Film eine relativ typische „Kleine Gruppe muss sich gegen fiese Gruppe durchsetzen“-Plot, wenn sie auf der anderen Seite des Meers auf den gemeinen Stark treffen. Dann gibt’s n paar Handgemenge, gar nicht mal sooo schlechte „Action“-Sequenzen und ein paar Ausbruchsversuche. Zusammen mit der passenden Landschaft und dem netten Burgset lassen sich damit 60 Minuten gut überstehen – zumal die titelgebende Seeschlange sogar sehr schnell auftauchen darf und ebenfalls gar nicht mal schlecht aussieht. Ich hatte ja die Befürchtung gehabt, dass es wieder irgendeine 0815 Gummi-Schlange ist, und ja, das ist es sogar, aber in den Schiffs-Sequenzen haben sie Witt, Block und Rabin durchaus kompetent eingefügt, da kommt schon ein bisschen Spaß auf, wenn die Drachenboot-Attrappe wackelt, Corman hinter der Kamera ein bisschen Wasser auf den Cast spritzt und auf der Rückprojektion die Gummischlange rumbrüllt. Die Dialoge und das Schauspiel sorgen dann ebenfalls für den ein oder anderen Schmunzler: Natürlich sind die Frauen zwar stark und resistent, wollen aber eigentlich nur Männer (so nach dem Motto: „Was sollen wir denn in einer Welt ohne Männer?“) und dann gibt’s die typischen kitschigen Romanzen-Dialoge. Die Truppe präsentiert sich dann auch in bester Mittelaltermarkt-Manier, da ist Corman einmal durch den hiesigen Kostümverleih geschlendert. Ehrlich: Bis auf die Szenen mit den Drachenboot könnte man das auch auf dem örtlichen Mittelaltermarkt drehen (und selbst da gibt’s welche, die Drachenbootsfahrten als Higlight des Marktes veranstalten).
Logisch geht’s auch nicht immer zu. Ja eigentlich ergibt hier mehr keinen Sinn, als etwa in den anderen AIP-Streifen. Wie gesagt: Warum bitte ist Ottar als einziger Mann noch da, wenn alle anderen weg sind? Lustig wird’s auch, wenn Stark die Wikinger-Frauen „gefangen nimmt“. Tausendmal kriegen die die Gelegenheit, zu entkommen, denn Stark gibt ihnen sogar Speere und Pferde, damit sie ihn auf die Wildschweinjagt begleiten können (wenn das mal keine Einladung zum Aufstand ist, weiß ich auch nicht). Und warum die eine Viking-Women dem Sohn von Stark dann auch noch vor dem „wilden Wildschwein“ (das Ding sieht sehr harmlos aus und ich meine erkannt zu haben, dass es sich ohnehin um ein gewöhnliches Hausschwein mit angeklebten Hauern handelt) rettet, wird auch nie so ganz beantwortet. Genau so wenig wie die Frage, woher die Frauen am Ende, als sie flüchten, plötzlich mehrere Holzboote haben. Aber gut, ich glaube, darüber sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen. Es gibt genug Szenen, die, zumindest für damalige Drive-In-Verhältnisse, die Gier nach Schauwerten befriedigte. Für einen 50s B-Film ist das ganze völlig annehmbar, da auch innerhalb der Gruppe genug menschliche Konflikte auftauchen, die es auch wert sind, ein paar Minuten Spielzeit zu bekommen. Der Versuch von „Enger“ etwa, der Hexe (oder dunklen Priesterin oder sowas, gespielt übrigens von der Wespenfrau Susan Cabot) der Truppe, sich an Stark anzubiedern, ist durchaus interessant, ebenso wie die Dynamik zwischen Stark und Asmild, der Anführerin der Wikinger-Frauen. Im Vergleich zu den anderen AIP-Monsterfilmen sind das ja regelrechte, naja, Figuren. Und apropos Wikinger: Es gibt keinen einzigen Helm mit Hörnern! Das ist ja infam.
Corman filmt das ganze wie üblich kosteneffizient und zeitsparend und laut Richard Devon sei er ein „Dämon“ am Set gewesen – naja, ganz will ich das nicht glauben, aber wie immer wird’s Corman ausschließlich darum gegangen sein, wie viele Takes er an einem Drehtag schaffte. Alles andere war ihm wohl egal. Susan Cabot erinnerte sich etwa, dass sie fast ertrunken sei oder dass sie fast mit einem Pferd von einer Klippe gestürzt wäre. Tja, mit Corman zu arbeiten war eben lebensgefährlich. Insgesamt ist der Film aber nicht nur wegen der Action im Bild dynamischer, auch Corman bewegt die Kamera sogar ein bisschen und insgesamt wirken die einzelnen Szenen etwas durchdachter (was vor allem in einem längeren One-Take-Kampf zwischen Ottar und den Schergen von Stark auffällt) – dümmlich ist nur der Endkampf, den Stark ernsthaft verliert, obwohl er ein Schwert und sein Gegner nur einen Stock hat, naja…
Und auch bei den Schauspielern kann ich fast nur Lob aussprechen. Wie immer gilt, für einen Film dieser Art. Dafür ist vor allem Richard Devon, der in Planet der toten Seelen auch den von Aliens besetzten Wissenschaftler darstellte, als Stark ziemlich… stark. Als pathetischer Fiesling ist er durchaus brauchbar, hat die ein oder andere Geste drauf – mit einem Regisseur, der sich ein bisschen mehr um die Schauspieler gekümmert hätte (also nicht Corman) hätte man aus ihm bestimmt mehr herausholen können. Aber auch ansonsten sind die Wikinger-Frauen in ihren Emotionen (Wut, Trauer) zumindest brauchbar. Lustig wird’s bei der Performance von Jay Sayer (gab sich u.a auch in Planet der toten Seelen die „Ehre“) als seltsamer Sohn von Stark, der mitunter schön weinerlich und ängstlich wird (und auch sonst einfach ein bisschen… komisch wirkt. Ich denke mal, das war so intendiert.) Besonders lustig finde ich ja sein Feuerbegräbnis, dass Stark ihm widmet. Damit er nicht alleine auf die Reise ins Jenseits gehen muss, wirft ihm sein Vater einfach ne Frau mit in die Feuerschüssel. Tja, so war das damals eben.
Fazit:
Ich bin überrascht – dieser Corman-Film hat mich für 60 Minuten solide unterhalten, hat einen netten billig Look, bietet eine Story, die auch als solche zu bezeichnen ist, hat einen brauchbaren Cast und nette Effekte. Der verdient ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Also, wer Kinotopp-Unfug aus diesen Zeiten mag, der wird mit The Saga of the Viking Women and Their Voyage to the Waters of the Great Sea Serpent Zumindest akzeptabel unterhalten werden.
6,5/10 Punkten.