Original-/Alternativtitel: Midnight Shadow
Jahr: 1939
Regisseur: David Miller
Schauspieler: John Wayne (Jim), John Carroll (Woody), Anna Lee (Brooke), Edmund MacDonald (Blackie Bales)
Vorwort:
Eigentlich hatte ich vor, zuerst eine Kritik zu irgendeinem Kriegsfilm der 40er zu schreiben, und damit auch ein paar Worte zum Kriegsfilm allgemein zu verlieren. Insbesondere zu den Kriegsfilmen, die während des Krieges, den sie porträtierten, gedreht wurden: In den 40er Jahren kam das Hollywood-Studiosystem da nicht drumherum, sich damit zu befassen, was gerade so in Europa passierte, da gabs einige, äh, seltsame (Propaganda)Filme.
Hier in dieser Review wird’s jetzt allerdings eher um John Wayne gehen (es ist sein Debut auf dieser Seite), deswegen werde ich das mit den Kriegsfilmen irgendwann nachholen (momentan fehlt mir tatsächlich die Motivation dazu)…
Inhalt:
Kapitän Jim Gordon ist Anführer einer Gruppe freiwilliger Piloten, die den Chinesen helfen, sich gegen die Japanischen Invasoren zu verteidigen. Nach dem Tod eines seiner jungen Piloten sucht Wayne im Nahen Rangun nach Ersatz zu suchen. Zuerst wird er dort von seinem alten bekannten Blackie Bales gebeten, ihn in die Truppe aufzunehmen. Doch Wayne zögert, da Bales durch seinen, inzwischen jedoch überwundenen, Alkoholismus den Tod eines Kameraden bei einem Unfall verursacht hatte. Erst Bales Frau kann Jim überzeugen, ihren Ehemann wieder aufzunehmen, da dieser Sonst „zerbrechen“ würde.
Gleichzeitig kommt bei dem Stützpunkt der Haudegen Woody an. Dieser ist sehr eigensinnig und widersetzt sich Jims Anweisungen, um selber bei dem nächsten Luftkampf dabei sein zu können. Doch durch seinen Leichtsinn misslingt es ihm, Blackie das Leben zu retten. Als Blackie sich mit der örtlichen Krankenschwester Brooke trifft, die auch gut mit Jim bekannt ist, und so den ersten Nachtflug verpasst, wird er von Jim gefeuert. Doch als die US-Führung Jim einen gefährlichen Spezialauftrag gibt, um eine drohende japanische Invasion zu unterbinden, sieht Woody seine Chance auf Rehabilitation gekommen…
Besprechung:
Die Ausweitung des cineastischen Gebietes, das ich mit dieser Seite hier abdecke, geht weiter, und das ist auch gut so. Wir wollen ja diverser werden.
Nach den ganzen Poverty-Row-Filmen in letzter Zeit wollte ich endlich mal wieder mehr Qualität haben – wir verbleiben für unsere Review-Reihe „Der Krieg in der Poverty-Row“ aber natürlich weiterhin in der Armenhausliga Hollywoods. Wir hatten Monogram, wir hatten PRC. Nun kommen wir zu Republic Pictures.
Allerdings ist es ein bisschen unfair, Republic Pictures mit Monogram, PRC und co auf eine Stufe zu stellen. Wenn man wieder den Begriff der Poverty-Row verbildlichen wollte, so befände sich Republic Pictures an der Grenze zwischen den Major und den B-Produktionshäusern. Es ist quasi der Übergang zwischen „absoluter C-Qualität“ und „gediegenen B-Filmen“.
Im Gegensatz zu PRC und Monogram hatte Republic nämlich a) Ambitionen, b) mehr Geld und c) durchaus hier und da große, zukunftsträchtige Namen vor und hinter der Kamera. Klar, auch Monogram und PRC brachten (Semi)-Klassiker hervor, wie die Lugosi-Filme oder die von Edgar G. Ulmer, aber das waren eher Glücksfälle oder sie wurden erst retroperspektiv erfolgreich. Republic hingegen konnte bei ihren Prestigeprojekten mitunter tatsächlich mit den Major-B-Filmen mithalten und erfuhren deswegen auch größere Verbreitung. Während Monogram und PRCs Werke „nur noch“ Trash-Liebhabern oder Fans von bestimmten Strömungen oder Schauspielern viel bedeuten, gelangte ein Teil von Republics Output bis heute weiter in den Vordergrund. So konnte das Studio z.B Erich von Stroheim oder gar Fritz Lang oder John Ford dazu bringen, bei ihnen zu drehen. Klar, auch heute ist Republic alles andere als bekannt, aber ihre bekanntesten Werke können als normale Filme ihrer Zeit angesehen werden (nicht wie bei Monogram und PRC). Das Ganze habe ich, glaube ich, schon bei meinen zwei bisherigen Republic-Filmreviews ausgeführt, zu den Horrorfilmen The Valley of the Zombies und The Catman of Paris. Aber nun bewegen wir uns ja abseits vom Horror.
Da ich dieses Jahr, wie erwähnt, anstreben, auch die anderen Genres außerhalb des Horrors abzugrasen, werden wir noch auf zahlreiche Namen aus dem Hollywood-Kanon stoßen, die ich hier bisher jedoch noch nie erwähnt habe. Und einer davon ist (Trommelwirbel) John Wayne. Von vielen gehasst, von vielen verehrt, gehört „The Duke“ zu einem der ganz großen Originale, die Hollywood hervorgebracht hat. Die Verkörperung des Klischees des „guten Amerikaners“ (was sich retroperspektiv sicherlich als zweischneidiges Schwert entpuppte), äh, verkörperte niemand so sehr wie er. Der moralische Cowboy, der Beschützer der Armen und Unterdrückten – Der Freiheitskämpfer, die Amerikanische Seele, über 30 Jahre durch ihn in zahllosen Klassikern von ihm auf die Leinwand gebracht. Allerdings wissen viele nicht, dass auch The Duke klein anfangen musste. Sein Weg ist eine klassische „von ganz Unten nach ganz Oben“-Story. Nach weniger ruhmreichen Tagen als Statist wurde Wayne zu einem der Cowboy-Hauptdarsteller in den zahllosen billigen 60-minütigen B-Western, die in den 30er Jahren wie am Fließband heruntergekurbelt wurden (u.a auch von Republic). Man mag es kaum für möglich halten, aber der Western hatte nicht immer den Legendenstatus in seiner Heimat, den er heute genießt. Erst mit Waynes Auftritt in Höllenfahrt nach Santa Fé feierte das Genre einen ersten Major-Erfolg und wurde bei den großen Studios zu einem ernsten Genre. Männer wie John Ford oder Anthony Mann brachten dann in den 40er- und 50er Jahren größere Klassiker hervor, bevor das Genre in den 50er Jahren dann seine erste Mega-Erfolgswelle antrat. John Wayne wurde dann zum unangefochtenen König der Cowboys und trat bis zu seinem Tod 1979 in vielen Klassikern auf (Der Mann der Liberty Valace erschoss, The Shootist, Der schwarze Falke, Die Gewaltigen).
Doch trotz seines Erfolges mit Höllenfahrt nach Santa Fé, war Wayne in den 40er Jahren noch nicht bei den Majors angekommen. Er blieb weiterhin bei Republic und drehte dort eine Reihe von B-Western und gerade angesagten Kriegsfilmen. Einer davon ist nun eben Unternehmen Tigersprung. Nach dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour schmissen die hiesigen Produzenten die Filmmaschinerie an, um Uncle Sam an der Heimatfront zu stärken (wie wir anhand der letzten B-Vertretern gesehen haben). John Wayne passte da natürlich perfekt hinein, als Verkörperung des idealen US-Soldaten: Ehrlich, idealistisch, treu und stark, so sollten sie sein! 1942, Mitten im Krieg, wollte das Publikum gerade dadurch natürlich Hoffnung schöpfen.
So viel zur, Äh, Rahmung der heutigen Besprechung. Natürlich sind wir weiter bei einem B-Studio, doch gegenüber PRCs und Monograms (Propaganda)kriegsfilmen nimmt sich Unternehmen Tigersprung wie ein wahres Epos heraus und man erkennt ein ums andere Mal, dass Republic Pictures meilenweit über seiner Poverty-Row-Konkurrenz thronte. Die Production Values sind deutlich höher, die Regie ist besser, die Schauspieler auch. Aber der Reihe nach.
Bevor ich mich aber in Lobhudelei verliere (was nicht so bleiben wird) kommen wir aber zum Skript. Ich will es nicht mal per se als „schlecht“ bezeichnen denn aus heutiger Sicht sollte man von einem John Wayne Kriegsfilm von 1942 natürlich nichts erwarten, was in Richtung von „intelligent“, „authentisch“ oder „vielschichtig“ geht. Auch zu jenen Jahren konnte Hollywood ehrlichere, intelligente Kriegsfilme schaffen (erst jüngst überzeugte mich Humphrey Bogart mit dem gelungenen Kriegsfilm Sahra). Unternehmen Tigersprung aber hat einen solchen Anspruch natürlich nicht: Er soll die Leute für anderthalb Stunden aus ihrem, 1942 vielleicht gerade sehr bedrückenden, Alltag reißen und Mut zusprechen. Da würde es kaum hineinpassen, den Krieg als allzu schlimmes Ereignis zu zeichnen oder zu viel Drama hineinzupacken.
Dementsprechend bewegt sich die Story auf Soap-Niveau, man muss es wirklich so sagen. Ein zentraler Konflikt kristallisiert sich niemals heraus, stattdessen geht es um das simple Geplänkel innerhalb der Fliegerstaffel, und es kommt niemals das Gefühl auf, das jemals viel auf dem Spiel stehen würde. Aus heutiger Sicht ist es geradezu amüsant, wie simpel und leicht-bekömmlich der Alltag im Krieg hier dargestellt wird. Da fliegen dauernd lustige Sprüche, die Soldaten reißen wann immer es passt dumme Witze, selbst wenn man gerade abgestürzt und dem Tod von der Schüppe gesprungen ist. Todesfälle werden ziemlich schnell vergessen, alles dümpelt etwas vor sich her, ohne dass es auf einen großen Knall hinauslaufen würde. Die Handlung ist lediglich Geplänkel, sie ist unausgegoren, könnte manche sogar geradezu langweilen, weil da nirgendswo irgendetwas hinter steckt, was von tiefgreifender Relevanz für irgendetwas wäre. Die Figuren sind Abziehbilder und sind auf eine Handvoll Eigenschaften reduziert, aus denen sich flache Konflikte zimmern lassen, die ebenso einfach wieder aufzulösen sind. Wayne ist Jim, der gutmütigen Leiter der Flugstaffel, der aber vom Alltag bedrückt ist, aber seine Pflicht ausführt; Brooke als obligatorische nette Frau, die irgendwie nichts zur Handlung beiträgt; und Woody als Haudegen, der zuerst unsympathisch erscheint, aber am Ende seine Fehler einsieht und den Tag rettet und so die Wandlung zum guten Amerikaner durchsteht. Hinzu kommt eine unmotivierte Dreiecksgeschichte zwischen Jim, Brooke und Woody, die nirgendswo hinführt. „Aus dem Alltag einer Fliegerstaffel“ hätte man den Streifen auch nennen können, nur eben weitestgehend erleichtert um die echte Ernsthaftigkeit des Kriegsalltags. Positiv hervorzuheben könnte man aus heutiger Sicht lediglich, dass die Handlung einen mehr oder minder vergessenen Kriegsschauplatz beleuchtet, der in eher weniger Filmen vorkam – der in China. Allerdings macht das Skript nichts daraus, ein Gefühl für die Chinesische Umgebung kommt so gut wie nie auf und auch (historische) Hintergründe werden komplett ausgespart – was ja ein potenziell interessantes Faktum gewesen wäre. Denn während ich mich mit einigen Kriegsschauplätzen durchaus gut auskenne, habe ich von den Fliegerstaffel der US-Armee in China nicht so viel Ahnung.
Aber irgendwie mag ich sowas ja auch – das ist eine ganz andere Epoche. Heute wäre sowas aus Hollywood undenkbar. Es ist simple, kaum anspruchsvolle Berieslung, heute für Freunde des Alten, damals aber für ein Publikum, das vom Krieg gebeutelt war.
Am Skript hatten zwei Leute gearbeitet: Kenneth Gamet schrieb auch den Wayne-Western Im Banne der roten Hexe (mir bisher nur dadurch bekannt, dass dort auch der Oktopus auftaucht, den Wood später für Bride of the Monster verwendete), und tingelte ansonsten durch das damalige Studiosystem, mit allen Genres, die es o gab. Gleiches gilt für seinen Kollegen Barry Trivers, der z.B noch den Bogart-Film Von Stadt zu Stadt schrieb.
Hinter der Kamera saß David Miller, der Wayne extra für die Hauptrolle ausgesucht hatte, und sich vor allem auf ähnlich-actionorientierte Filme konzentrierte, also Western und Kriegsfilme. Auf seine Kappe gehen u.a Lonely are the Brave mit Kirk Douglas oder Billy the Kid mit Donely und Chaney Jr. Wie gesagt erkennt man den Unterschied zu den echten Poverty-Row-Filmen sofort. Hier steckt deutlich mehr Zeit, Geld und Sorgfalt drin, aber schließlich konnte man mit einem Wayne-Film auch nicht verfahren wie mit jedem x-beliebigen B-Filmen (und Republic produzierte auch zahlreiche Streifen, die den Monogram-Filmen näherstanden als den B-Filmen der Majors). Mit dem Flugzeugfilm Danger Flight von Monogram habe ich ja auch ein gutes Vergleichsobjekt, ich weiß wie ein Film mit Flugzeugen aus der Poverty-Row aussehen kann. Zudem kann Miller den Streifen durchaus lebendig gestalten.
Auch Unternehmen Tigersprung verwendet selbstverständlich einiges an Stock-Footage und einige Miniaturaufnahmen, doch beides ist gelungen in den Rest integriert. Auch die Szenen aus dem Studio überzeugen für die Verhältnisse. Natürlich erkennt man die Rückprojektionen und wie die Flugzeugmodelle im Studio hin- und her gewackelt werden, aber die Illusion eines Flugzeugkampfes wird dennoch mehr oder minder ernstlich erweckt, das ist völlig ok. Das es dennoch weiterhin ein B-Film ist, merkt man daran, wo der Film spielt, nämlich in der Chinesischen Provinz. Da spart man sich größere Sets, man braucht nur ein paar Hütten und weniger Interior-Sets, als wenn man z.B. den Krieg in Frankreich oder England darstellen müsste. Hier und da gibt es belebte Set-Pieces, wie z.B das Restaurant in Sagon, aber eine Breite oder Größe erreicht der Film nie, und deswegen auch nicht das Gefühl, dass der Kampf, den die Fliegerstaffel führt, von besonderer Relevanz für den Gesamtverlauf wäre. Von einer ach so relevanten, bevorstehenden feindlichen Offensive wird nur geredet, bis auf die Luftgefechte bekommt man kaum feindliche Truppen zu sehen. Und nach jedem Luftkampf kehren alle wieder ganz entspannt zurück, laufen entspannt herum, spielen sogar Baseball – da wirkt der schlimme Krieg doch wieder weit weg. Die Folgen werden ebenso weitgehend ausgeblendet wie die eigentlichen Kriegsbeteiligten, nämlich der Chinesische Widerstand. Die Chinesischen Soldaten sind nur Statisten, die hiesige Infrastruktur, Chinesische Dörfer oder Kasernen, gibt es nicht.
Weder optisch noch inhaltlich bietet der Film deswegen viel Abwechslung. Wie sieht es beim Cast aus? Da kommt es natürlich fast nur auf John Wayne an. Ein besonders großer Charakterdarsteller war er bestimmt nie (trotz eines Oscars), er ist vielmehr ein Präsenzschauspieler, der durch bloße Anwesenheit und sein Charisma punktet und als Fixpunkt für die Handlung dient. Ich habe noch nicht allzu viele Streifen von ihm gesehen (zwei seiner B-Western aus den 30er Jahren und den Republic-Kriegsfilm Sands of Iwo Jima, wo auch John Agar mitspielt), hier ist sein Charisma zwar auch unbestreitbar vorhanden, doch der Duke agiert eher zurückhaltend. Vielleicht liegts auch daran, dass er während den Dreharbeiten mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatte…
Der Rest der Darstellerriege geht ebenfalls in Ordnung. Als Haudegen Woody sieht man mit John Carroll einen bei Republic häufig gesehen Darsteller, der es aber auch nie über das B-Niveau schaffte. Er spielte in Western und Serials, darunter Zorro höchstpersönlich in einem der vielen Serials des Studios. Den flachen Charakter Woody spielt er mit ausreichend Schneid. Anna Lee ist als obligatorische Frau in der Runde ebenfalls ok, obwohl ihre Rolle schon ziemlich undankbar ist und zum eigentlichen handlungsverlauf nix beiträgt, nicht mal ihre angedeutete Romanze mit Wayne wird zu Ende geführt. Und Edmund MacDonald kann seiner Figur des nach Rehabilitation suchenden Blackie Bales auch nicht viel anfangen, weil dieser ziemlich schnell aus dem Skript geschrieben wurde und auch eher underdeveloped wirkt. Seine ganze Figur und sein Tod dienen eigentlich nur dazu, den Konflikt zwischen Jim und Woody zu initiieren. Auch Tom Neal, der spätere Skandalschauspieler und auf ewig „bekannt“ durch Ulmers Klassiker Detour, hat eine Nebenrolle (die aber so gut wie gar nicht auffällt). Sogar eine Art Comic-Relief Charakter haben wir: Einen dicklichen Chinesen (praktisch die Asiatische Variante von Mantan Moreland) der hier und da ein wenig Leichtigkeit versprüht (zumindest mit seiner Art des Auftretens). Ok, „Comic-Relief“ wäre zu viel gesagt, er hat nicht mehr als drei kurze Szenen, aber ich denke, die Produzenten hätten seine Rolle vergrößert, wenn es nicht gerade um den Krieg gegangen wäre.
Fazit:
Unternehmen Tigersprung ist bestimmt nicht Waynes bester Film, aber im Gegensatz zu den meisten seiner Werke aus den 30er Jahren ist er massentauglich geworden, dank solider Ausstattung und Inszenierung. Da werden keine Bäume ausgerissen, aber für 90 Minuten Berieslung, insofern man derartige, einfältige Kriegsfilme aus den good ol’ USA mag, kann man sich das mal antun…
5,5 /10 Punkten, mit Hang zu den 6



