Original-/Alternativtitel: The Last Alarm

Jahr: 1940

Regisseur: Billy West

Schauspieler: J. Farrel MacDonald (Jim Hadley), George Pembroke (Antiquitätenhändler), Polly Ann Young (Joan Hadley), Warren Hull (Frank Rogers), Mary Gordon (Mrs. Hadley), Joel Friedkin (Burt)

Vorwort:

Ich mag es, obskure, vergessene Filme zu entdecken (und ganz, ganz selten sind da sogar Perlen bei!). Monogram bietet ja eine wahre Fundgrube an Obskuritäten, und dank YouTube sind viele davon nur einen Klick entfernt. Meistens machen dann die Plakate aufmerksam, in diesem Falle lachte mich (im wahrsten Sinne des Wortes, wenn auch es ein böses Lachen ist) das Poster von The Last Alarm an. Irgendwie passt es ja auch in meine Poverty-Row-Mystery-Reihe, die ich gerade fahre…

Kategorie Poverty-Row-Mysteries 2026: Review Nr. 2

Inhalt:

Der alternde Feuerwehrmann Jim Hadley wird zu seinem Ärgernis pensioniert. Zu Hause bei seiner Frau macht er im Haushalt nur Chaos und weiß mit sich selber nichts anzufangen. Immer wieder kehrt er zu seiner ehemaligen Station zurück, um dort mit seinen Freunden Karten zu spielen. Mit seinem Kollegen Burt, der ebenfalls kurz vor der Rente steht, plant er bereits Angel- und Jagdurlaube.

Gleichzeitig geht jedoch ein Feuerteufel um, der zahllose Geschäfte und Häuser anzündet. Die Versicherung vermutet einen Versicherungsbetrug und schaltet ihren Mitarbeiter Frank Rogers ein, der sich auf die Spur des Pyromanen heften soll. Er arbeitet auch mit der Polizei zusammen, doch sie finden keine Hinweise.

Als bei einem der Feuer Burt tödlich verletzt wird, setzt es sich Jim zum Ziel, den Pyromanen zu fassen. Beim nächsten Brand entdeckt er am Tatort die Statue des Gotten Vulkan (dem Römischen Gott des Feuers) und seine Tochter Joan, die in der Zwischenzeit Frank näher gekommen ist, erinnert sich, dass sie so eine Statue bei dem lokalen Antiquitätenhändler im Schaufenster gesehen hatte – und der reagiert sehr seltsam, wenn jemand in der Nähe ein Streichholz anzündet…

Besprechung:

Diesmal weniger ein Mystery-Film bzw. Whodunit, da die Identität des Killers dem Zuschauer ziemlich schnell bekannt ist. Anschließend geht es eben nur noch darum, ihn dingfest zu machen. Das läuft nach Schema-F ab, ist aber, für die Verhältnisse von Monogram, erfreulich straight-forward. Man verzichtet auf weitgehend auf unnötiges Füllmaterial und ebenso auf einen Comic-Relief – dafür aber zu Beginn tatsächlich ganz amüsanten, leicht-bekömmlichen Witz, wenn Jeff z.B seiner Frau nach all den Jahren im Haushalt helfen will, aber nur Chaos verursacht und sogar einen Bürstenvertreter vollquatscht.

Abgesehen davon spielt sich die Chose fast mehr als ernsthaftes Drama, denn als Mystery-Film, denn im Mittelpunkt stehen nicht die Morde, sondern unser Hauptcharakter Jim Hadley – und das funktioniert, man mag es kaum für Möglich halten. Die Sympathie des Publikums sind bei diesem älteren Herrn, der sich nach der Pensionierung langweilt und sich nun „unnütz“ fühlt, gut angelegt, vor allem, wenn man die typischen Monogram-Abziehbilder der anderen Produktionen berücksichtigt, da waren’s ja immerzu unlustige Reporter oder Polizisten und austauschbare Anzugträger. Gut, die gibt’s hier auch, aber Jim ist ein brauchbarer Fixpunkt, an der sich die simple, soap-artige Story aufhängen kann. Das wird nie großartig spannend (da wie gesagt schnell klar wird, wer unser Pyromane ist;; das Skript macht es sich da sehr leicht und den Ermittlern fällt der Beweis wortwörtlich direkt vor die Füße) oder mitreißend, aber Langeweile kommt zu keiner Sekunde an. Für einen B-Programmer, der 60 Minuten die Leute unterhalten soll, war das 1940 doch ausreichend, würde ich schlussfolgern.

Aus heutiger Sicht sind solche Filme ehedem auch eine irgendwie interessante Zeitkapsel, näher dran an dem Alltag der Menschen würde ich sagen, als jede x-beliebige, geschönte Major-Studioproduktion es vielleicht sein könnte. Hier wird, wie es in den 30er Jahren gang und gebe war, der „kleine Mann“, der „kleine Amerikanische Durchschnittsbürger“ zum Helden gemacht. Wir erinnern uns: Das war eine Zeit, da gab es selbst Filme, in denen Mitarbeiter des US-Postsystems zu Ganoven-Jägern stilisiert wurden (Postal Inspector, 1936), PRC setzte gleiches schon ein Jahr später mit Law of the Timber um, wo gewöhnliche Holzfäller sich gegen böse Banditen vereinen. Für den kleinen Mann aus der US-Vorstadt dürften diese Geschichten ein Teil des Amerikanischen-Traums dargestellt haben: Mach’ aus deiner Berufung, auch wenn’s an sich keine glorreiche ist, das Beste, denn auch du kannst im Kleinen großen Dinge bewegen. Da werden Postmänner, Holzfäller, oder eben pensionierte Feuerwehrmännern zu denjenigen, die den Tag retten. Ist mal ne nette Abwechslung, vor allem wenn das Drehbuch dann sogar noch funktioniert.

Tatsächlich ist der Schreiber hinter dem Skript nicht unbekannt. Der nämlich, Al Martin, tippte für Monogram einige Skripts herunter (u.a auch für das Lugosi-Vehikel The Invisible Ghost), tingelte aber auch sonst durch alle Studios der Armenhausstraße Hollywoods: Er schrieb Serials für Mascot (The Wolf Dog), Whodunits für Sigmund Neufeld (Money Madness) und durfte sogar bei Universal für die B-Abteilung routinierte Stories erdenken (u.a sogar für The Mad Doctor of Market Street). Er blieb sich treu und landete später bei AIP (da geht allerdings der Langweiler Invasion of the Saucer Men auf seine Kappe).

Der Cast unterstützt die Produktion, denn als Hauptdarsteller hatte man einen alten Veteranen an Bord, namentlich J. Farrel MacDonald, der bis dato schon in über 200 Filmen mitgespielt hatte und seit frühesten Stummfilmtagen im Business war (angefangen bei Carl Laemmle, über John Ford und Murnau), wenngleich meistens als kleinerer Nebendarsteller. Hier hat er einer seiner wenigen Hauptrollen, und man merkt, dass er nicht unbedingt der Mann ist, aus dem große Hauptdarsteller geschnitzt sind, da fehlt es an einigen Stellen an Tiefe, aber Charisma kann man seiner Figur und Verkörperung freilich auch nicht absprechen. Sicherlich eine der „besten Performances“, die ich bisher in einem Monogram-Film begutachten durfte – aber das bedeutet ja auch nicht viel… übrigens spielte er in The Ape Man seiner Zeit einen Polizisten.

Für eine Monogram-Produktion liefert auch die wichtigste Figur im film, sprich der verrückte Antagonist, eine passende Performance ab. Nicht ohne Grund sagten viele Schauspieler, Bösewichte zu spielen würde mehr Spaß machen (u.a hing Vincent Price dieser Meinung an), da kann man sich austoben. In einem Film über einen wahnsinnigen Pyromanen (wobei: sind Pyromanen nicht immer wahnsinnig??), muss ebenjener natürlich abliefern, da kann man nicht jeden x-beliebigen Deppen vor die Kamera zerren. Aber George Pembroke bringt ausreichend Wahnsinn in die Figur mit, der man, wenn die Monologe auch etwas gekünstelt erscheinen, abnimmt, dass sie verrückt und vom Feuer besessen ist. Sein Blick und die Lache ist nicht schlecht, er gibt definitiv keinen allzu langweiligen Fiesling ab, gerade für Monogram. Auch er spielte während seiner Zeit bei Monogram in ein paar Lugosi-Vehikeln mit (The Invisible Ghost und Black Dragons). Ich wiederhole mich, deswegen: Wer die Lugosi Vehikel aus dem Hause Monogram kennt, dem wird auch der Name Polly Ann Young etwas sagen, deren Name seinerzeit auf dem Poster von The Invisible Ghost prominent abgedruckt war. Sie spielt dort Lugosis Tochter, und selbige Rolle (also als Tochter, aber natürlich nicht speziell die von Lugosi) verkörpert sie auch hier und zwar „einnehmender“, auffälliger als manch andere blasse weibliche Schauspielerin jener Tage. Klar, die Rolle gibt nicht viel her, aber ich habe definitiv schon langweiligere Frauen in dieser Art Rollen gesehen, sorry (sprich: Sie tun nicht viel, außer rumzustehen, um am Ende beschützt werden zu müssen). Als jüngerer Held neben dem alten Jim hält dann noch Warren Hull her, der von allen hier aufgeführten Nasen vermutlich die „größte Karriere“ hatte und ein paar Jahren vor seiner Zeit bei Monogram u.a zwei Nebenrollen in Karloff-Vehikeln bekam (The Walking Dead und Night Key). Außer ein paar lustige Sprüche bezüglich Polly Ann Young (die uninspirierte Romanze darf nicht fehlen). Und der Vollständigkeit halber sei auch noch Mary Gordon erwähnt, die hier die gutmütige, ältere Hausfrau, die einfach sympathisch ist, gibt, und ihre ganze Karriere auf solche Rollen abonniert war. U.a war sie auch in Bride of Frankenstein, The Invisible Man (dort heißt ihre Rolle simpel „Screaming Woman“), The Strange Case of Dr. X oder auch als Haushälterin von Chaney Junior in Strange Confession zu sehen.

Dass der Film auch optisch einen halbwegs vernünftigen Eindruck macht, liegt auch daran, dass hinter der Kamera ein Veteran aus uralten Stummfilmtagen stand, nämlich Billy West. Der war seinerzeit als Charlie Chaplin Impersonator bekannt und drehte seit den 1910er Jahren diverse kurze Comedy-Filme, in denen er einfach mal so die komplette Figur des Tramps, die Chaplin so legendär gemacht hatte, übernahm. Immerhin tat er das so überzeugend, dass Chaplin selber meinte, er wäre ein „verdammt guter Imitator“ (mich wundert, dass Chaplin ihn nicht verklagt hat). Naja, für Monogram drehte er 1940-41 nur drei Filme, die seine einzigen Langfilme bleiben sollten. Tatsächlich war The Last Alarm sogar sein Langfilmdebüt. Meistens wirkt das wie ein abgefilmtes Theater (vor allem in den Szenen in Jims Haus), hinzu kommt das übliche Stock-Footage, und das nicht zu knapp. Logischerweise hatte Monogram kein Geld, um Hausbrände darzustellen, also griff man auf bereits gefilmtes Material echter Brände zurück, die man hier und da, wenn’s passt, in den Film schneidet. Die Szenen der abfahrenden Feuerwehr, ebenfalls Archivmaterial, wird sogar zwei Mal verwendet (was auch nicht ungewöhnlich war; bei PRC schämte man sich beispielsweise nicht, dieselbe Nachtszene bis zu sechs Mal zu verwenden – ob im Film nun Tag oder Nacht war, egal!). Anderweitige „Action“ oder „Schauwerte“ bietet uns Monogram hier nicht an. Leider wirkt das Ende sodann überhastet: Unser Pyromane fällt einfach ins Feuer, Schnitt, und Jeff darf nochmal eine Dankesrede in der Feuerwehr halten, wo er zum Ehrenchef ernannt wird.

Fazit:

The Last Alarm ist zumindest für Monogram-Verhältnisse als gelungen zu bezeichnen. Die Story ist zwar simpel, aber gar nicht mal so schlecht – da hätte ein Major-Studio einen durchaus netten Film draus machen können (ich hätte ja Peter Lorre in der Rolle des Pyromanen gesehen). Man kann damit, insofern man obskure Poverty-Row-Filme mag oder zumindest verträgt, 60 Minuten irgendwie rumkriegen. Ach ja, und das Filmplakat sieht ja mal Mega cool aus.

5,5/10