Satanisten-Samstag: No. 1

Original-/Alternativtitel: Die Braut des Teufels

Jahr: 1968

Regisseur: Terence Fisher

Schauspieler: Christopher Lee (Duc de Richleau), Leon Greene (Rex van Ryn), Charles Gray (Mocata), Patrick Mower (Simon), Sarah Lawson (Marie Eaton)

Vorwort:

Es gibt immer mal wieder Pausen und Ebben. Seit ein paar Jahren schaue ich fast jeden Tag Filme – die längsten Pausen, als filmlose Tage, sind maximal eine Woche. Dieses mal aber verging über ein Monat ohne Filme und erst heute widmete ich mich wieder meinem liebsten Hobby. Und der Wiedereinstieg musste natürlich etwas „Besonderes“ sein, nicht irgendein x-beliebiger Schwachsinnsstreifen. Mit welchem Film wollte ich nach dieser langen Pause wieder beginnen? Ich überlegte… ja, Hammer wäre etwas Gutes. Aber welcher? Irgendwie kam ich dann auf einen der Größten des Kult-Studios. Nicht Dracula oder Frankenstein, auch nicht die Mumie. Und wenn man den Fan fragt, welcher der beste Hammer-Film abseits der Klassiker ist, dann wird man ganz sicher oft den Namen The Devil Rides Out hören. Gesehen habe ich ihn schon vor ein paar Jahren, Zeit also, die Erinnerung mal wieder aufzufrischen und mit diesem tollen (das kann ich schonmal vorwegnehmen) Okkult-Horror wieder in die Filmwelt einzusteigen.

Inhalt:

Duc de Richleau und sein Freund Rex van Ryn machen sich Sorgen um ihren jungen Freund Simon, der schon seit Monaten nichts mehr von sich hören ließ. Auf seinem Anwesen finden sie ihn inmitten einer seltsamen Party, angeblich sei er einem Astronomie-Club beigetreten. Richleau erkennt aber schnell: In Wirklichkeit handelt es sich um Satanisten, die Simon in ihren Bann gezogen haben! Sie bringen ihn in Sicherheit, doch der Anführer der Satanisten, Mocata, lässt das nicht auf sich sitzen. Er entführt Simon erneut und will ihn mit aller Macht im Bann des Satans halten. Richleau und Ryn entführen daraufhin ein Mitglied der Sekte, die junge Tanith, die aber in Wirklichkeit auch das Medium Mocatas ist. Dadurch kann dieser allerlei Flüche auf Richleau und seine Freunde loslassen…

Besprechung:

Christopher Lee bezeichnete The Devil Rides Out einmal als seinen liebsten Hammer-Horror. Und wenn man den Film schaut, sieht man auch warum: Es ist in vielerlei Hinsicht Hammers „speziellster“ Film. Endlich geht es mal nicht um irgendeinen althergebrachten Mythos oder um eine x—fache Variante von den alten Kamellen á la Dracula, Frankenstein oder die Mumie. Es geht um Satanismus, für Hammer, insofern ich das richtig sehe, bis Dato ein Novum, Christopher Lee spielt endlich mal den Helden, mit Terence Fisher ist der Hammer-Hausregisseur dabei und das Drehbuch stammt von niemand geringerem als Horror-Legende Richard Matheson (I am Legend, The Incredible Shrinking Man). Insgesamt also ein wahrhaft hochkarätiges Werk und thematisch eine sehr willkommene Abwechslung zu den altbekannten Reihen des Studios.

Und es passt alles zusammen. Sicherlich kann man an Mathesons Drehbuch auch einige Sachen kritisieren, es ist ohnehin eher generisch, aber wer bei Hammer komplizierte Stories, die das Genre inhaltlich neu erfinden, erwartet, der ist eh an der falschen Adresse. Nein, wer einfach nur ein bisschen Hokuspokus, Satanisten und einen Christopher Lee, der ebenjene bekämpfen muss, sehen will, der ist bei The Devil Rides Out an der richtigen Adresse, denn: Das Skript von Matheson bietet von Anfang an ein hohes Tempo und findet genau den richtigen Rhythmus zwischen ruhigeren Passagen und „Schock“-Momenten. Der Streifen verschwendet kaum Zeit an eine etwaige Exposition und die wenigen Dinge, die man wissen muss, werden später hier und da in den Dialogen eingestreut. Simon hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, und die Freunde seines Vaters, Duc de Richleu und Rex van Ryn, müssen ihn eben befreien. Mehr gibt’s nicht zu wissen und mehr muss man in diesem Fall auch nicht wissen, damit der Streifen funktioniert. Schon nach wenigen Minuten ist man bei den Satanisten, und von da an gibt’s in kurzen Abständen immer wieder feine Horror-Schauwerte in Form von Dämonen oder satanischen Messen. Da legt Matheson ein gutes Tempo vor, und die Dialoge, vor allem die von Christopher Lee, passen sich sprachlich auch hervorragend dem Inhalt an – Dialoge (bzw. Monologe) schreiben konnte er eben, das fällt besonders bei I am Legend auf. Da kann man das etwas seltsame Ende oder ein paar kleine Fragezeichen hier und da nur zu gerne verzeihen. Insgesamt ist es ein gutes Skript, das innerhalb von 90 Minuten alles Wichtige abhakt und niemals Längen aufweist.

Und Hammer hat dieser Story einen ebenso guten Rahmen verpasst. Wobei: Ausstattungstechnisch hat man sich hier eher zurückgehalten, was auch daran liegen mag, dass der Film ausnahmsweise mal nicht im für Hammer typischen Gothic-Zeitalter angesetzt ist. Wann genau die Handlung stattfindet, wird nicht erwähnt, aber es gibt ja schon Telefone und Autos, also würde ich so auf irgendwas zwischen 1930er und 50er tippen? Jedenfalls sind hier alte Schlösser, Friedhöfe und Nebelschwaden Fehl am Platze. Keine Szene spielt in der Stadt oder in urbanen Gegenden, sondern in der hübschen englischen Provinz, was einen passenden Kontrast zum düsteren Inhalt bietet, zumal viele der Szenen auch Tagsüber bei Sonne spielen. Etwas erinnert das an Hammers The Witches. Die Innenräume sind ebenfalls nicht vollgepackt, sondern eher karg. Bis auf ein paar Zeichen und einen Altar gibt’s keine satanischen Requisiten und auch die Kostümierungen (gewöhnliche Roben) sind simpel gehalten. Auch mit sexuelleren Szenen oder Blut, für Hammer Ende der 60er immer wichtiger auf dem hart umkämpften Markt, hält man sich angenehm zurück. Normalerweise würde man sowas bei Hammer kritisieren, aber hier passt es eben. Insgesamt wirkt es auf mich so, als wenn Hammer hier einmal in die Vollen gehen, und einen „richtigen“ Schocker inszenieren wollte, der es wirklich darauf anlegt, das Publikum das Fürchten zu lehren (was, glaube ich, bei Dracula und Frankenstein einfach nicht mehr der Fall war).

Und der richtige Regisseur ist dafür zweifelsohne Terence Fisher, der das Ding gekonnt aufzieht, Spannung innerhalb der einzelnen Szenen wunderbar aufbaut und hier und da auch wieder Ruhe einkehren lässt. Schon zu Anfang, als Richleu auf die Party kommt und langsam realisiert, mit wem er es dazutun hat, baut eine „knisternde“ Spannung der unterschwelligen Gefahr auf. Besonders gelungen ist die Hypnose-Szene, in der Motaca Sarah in seinen Bann zieht, baut innerhalb einer Szene langsam gekonnt Spannung auf.  Auch die Oldtimer-Verfolgungsjagt bietet dahingehend Spaß, und kleinere Kniffe hier und da, wie z.B das Kamerawackeln beim gezielten Faustschlag von Lee, machen es noch besser.

Problematisch sind da eher, wie üblich, zum einen die britische Zensur und die Effekte. Gewalttätig wird’s wie gesagt nie, und bevor der Ziege die Kehle durchgeschnitten wird, muss logischerweise brav weggeschnitten werden. Blut sieht man kaum. Die Effekte sind, da kann man nicht drüber streiten, spaßig, aber rangieren freilich auch zwischen „auch heute irgendwie gelungen“ und „eher lachhaft“. Der dunkelhäutige Dämon, der zu Anfang erscheint, hat auch heute noch etwas, wie er dort schwebt und mit seinen seltsamen Augen starrt. Der Satan selbst, irgendein Statist mit einem Ziegenkopfmaske, ist auch durchaus gut, auch wenn die Maske in der Szene, in der das Auto auf in zufährt, etwas zu offensichtlich ist. Die Spinne, die in der Schutzkreis-Szene erscheint, erinnert eher an Bert I. Gordons Kreationen und irgendwie ändert sich auch ihre Größe von Schnitt zu Schnitt… lachhaft ist aus heutiger Sicht leider aber der schwarze Reiter. Das liegt nicht mal an ihm, sondern an seinem Pferd und daran, dass die Szene, in der es sich aufbäumt, billig vor- und zurückgespult wurde, was nur allzu offensichtlich ist. Das hätte man lieber komplett rausstreichen sollen. Insgesamt ist das doch etwas ungelenk, aber deswegen mag man Hammer ja eben auch: Weil’s unbedarft war, weil sie immer das Beste gegeben haben, trotz finanzieller Limitierungen.

Und sein Bestes gibt auch der Cast. Man merkt, dass Christopher Lee, der die Adaption sogar höchstpersönlich vorschlug, an seiner Figur des Duc de Richleu gefallen fand. Hier agiert er mit höchster Motivation, spielt richtig lebendig und kaum jemand wie er hätte diese Mischung aus Van Helsing und John Sinclair so Vital und mit solcher Gravitas spielen können wie er. Lee trägt den Film ohne Mühe auf seinen Schultern und gerne hätte ich ihn in öfter in sowas gesehen – lieber tatsächlich als in der x-ten Dracula-Verfilmung, mit denen Hammer ihn letztendlich ja auch vergraulte.

Da kann sein Gegenpart, auch wenn der sich Mühe gibt, einfach nicht mithalten. Als Satansführer Motaca sehen wir Charles Gray (am, bekanntesten sicherlich für Diamonds are Forever, gab sich auch in Amicus’ The Beast Must Die die Ehre), dem man ein gewisses finsteres Charisma gewiss nicht Absprechen kann, bei mir Sprang der Funke aber nicht so über. Insgesamt wirkt er, gegenüber Lee doch einfach zu harmlos, zumal er selber, bis auf die Hypnose und die Fähigkeit, Nebel entstehen zu lassen, auch nicht so viel Böses aus eigener Macht heraustreibt. Als Lees Freund Rex van Ryn ist Leon Greene auch kompetent, nicht zu zurückhaltend, und in seinen Emotionen durchaus glaubhaft, ebenso wie Sarah Lawson (die kennen wir u.a schon aus Night of the Big Heat) als Mutter, die nicht ausschließlich zur schreienden Frau degradiert wird. Für Lee ist es dieses Mal ein würdiger Cast. Ich frage mich nur, warum Hammer nicht Peter Cushing als Motaca besetzt hat. Aber gut, man kann ja nicht alles haben.

Und dann noch ein paar Worte zum Ende. Das ist zum einen schön christlich (wie auch sonst: die Satanisten verschwindet, Lee faltet die Hände und in der Satanisten-Halle ist plötzlich n Kreuz an der Wand) zum einen hat der finale Kampf… nur in Gedanken stattgefunden? Jedenfalls ist die versammelte Truppe am Ende wieder im Schutzkreis und sogar Tanith wieder am Leben. Für meinen Geschmack ist das zu viel auf Happy-End getrimmt gewesen, aber na gut, wann gab’s bei Hammer eigentlich böse Enden? (außer die eigene Firmengeschichte…)

Gesichtet wurde die Anolis-DVD der Hammer-Edition. Vielleicht upgrade ich mal auf die neuere Blu-Ray. Die Hammer-Edition würde ich aber trotzdem behalten, die sieht im Regal so schön aus…

Fazit:

The Devil Rides Out ist insgesamt zwar nicht mein Hammer-Favorit, aber definitiv einer der besten Horrorfilme des Studios. Es ist ein flotter Okkult-Horror und eine sehr schöne Performance von Christopher Lee. Da kommt der Fan auf keinen Fall drum herum…

7/10 Punkten.