The Cyclops – Filmkritik

Original-/Alternativtitel: /

Jahr: 1957

Regisseur: Bert I. Gordon

Schauspieler: Lon Chaney Jr. (Martin Melville), Gloria Talbott (Susan Winter), James Craig (Russ Bradford), Tom Drake (Lee Brand)

Vorwort:

Teil Drei des einst geplanten Bert I. Gordon Buches…

Inhalt:

Der Pilot Bruce ist verschollen und seine Frau Susan will ihn nun auf eigener Faust wiederfinden. Dazu engagiert sie eine Crew und fliegt zu dem Gebiet, in dem ihr Mann verlorenging. Doch sie finden dort nicht nur ein radioaktives Uranfeld, sondern auch vergrößerte Tiere. Und schließlich auch den mutierten Ehegatten, der sie angreift...

Besprechung:

Nach King Dinosaur ging es für Gordon gleich weiter, auch wenn The Cyclops erst Mitte 1957 erscheinen sollte; hier aber zeigt Gordon bereits die Art an Film, für die er bis heute in Erinnerung bleibt. Besonders verändern (oder verbessern) taten sich seine Effektkünste von hier an nicht mehr. Im Grunde ist der Film irgendwo einfach eine Version des Klassikers Die Verlorene Welt (1925), zu der man einen Riesen hinzugibt: Eine mysteriöse, abgeschiedene Gegend, in denen Geschöpfe hausen, als stammten sie aus der Urzeit.

Das erste Mal wurde der Film im August 1955 erwähnt, wo es im Hollywood Reporter hieß, dass in „Cyclops – The One Eyed Monster“ James Craig nach einem Drehbuch von Curt Siodmak spielen werde. Gordon sagte später in einem Interview allerdings, dass Siodmak nichts mit seinem „The Cyclops“ Drehbuch zu tun gehabt habe, erst später habe Siodmak für ihn gearbeitet. Sollte Siodmak sein Drehbuch doch noch überarbeitet haben, so könne er sich nicht mehr erinnern. Zuerst hatte Gordon allerdings nach einem passenden Skript gesucht, hatte bei Agenten nachgefragt, doch dabei sei nichts herausgekommen im Gegenteil: Jedes Drehbuch, dass sie ihm gaben, sei schlechter gewesen als das vorige, also musste er wohl oder übel selber eines schreiben. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und begann damit, eine Story zu erarbeiten. Einfach sei es nicht gewesen, aber er hatte schon Schreibübung, da er in der Highschool auch Kolumnen verfasst hatte. Während des Schreibprozesses ließ er sich auch von den Filmen seiner Kindheit beeinflussen, da viele seiner Ideen aus dieser Zeit stammten. Die Drehbücher, die er schon bekommen hatte, nutzte er dabei lediglich als Grundlage, für das „Format“, also für den Aufbau und Dialoge.

Als er das Drehbuch fertiggestellt hatte, musste er es nur noch irgendwo unterbekommen. Er klingelte bei vielen Studios, die jedoch allesamt ablehnen, sodass er sich irgendwann nach privaten Finanziers umsah. So kam er schließlich zum Anwalt Bob Lerner, der zuvor schon einige B-Filme produziert hatte. Gordon gab ihm das Drehbuch und eine Woche später bekam er einen Anruf, dass Lerner den Film alleine produzieren wolle. Gordon veranschlagte das benötigte Budget bei 100.000 Dollar und Lerner sagte, er würde das Geld für ihn auftreiben. Einer seiner New-Yorker Freunde, wohl Henry Schrage, der später unter anderem auch den Alien-Film Auf U-17 ist die Hölle los (1959) produzierte, gab die Hälfte hinzu und Lerner ging ins Kino, um sich KING DINOSAUR anzusehen. In der Variety stand 1958 hingegen, dass der Film nur 71.500 Dollar kostete. Vielleicht wollte Lerner weniger Geld springen lassen, nachdem er KING DINOSAUR gesehen hatte.

So oder so ging es anschließend darum, einen Cast aufzutreiben, eine Sache, die den Film wohl auch heute etwas berühmter machen dürfte, als er es sonst gewesen wäre. Gordon schaffte es über einen Freund sogar, einen echten Star anheuern, oder zumindest jemanden, der es einst gewesen war: Horror-Legende Lon Chaney Junior, der Sohn des „Mannes der tausend Gesichter“ und Universal Stummfilmhorror-Star Lon Chaney! Es lag ihm in der Familie und in den 40er Jahren war Chaney Jr. der Horror-Star des Studios gewesen, als Werwolf in Der Wolfsmensch (1941) oder auch als Dracula und Mumie. Doch im Show-Business sanken die Sterne schnell, und als der Horror-Boom mit dem Ende des zweiten Weltkriegs zu Ende ging, stockte auch seine Karriere. Zudem setzte ihm sein schwerer Alkoholismus hinzu, sodass er seinen Kollegen oft sagte, sie müssten bis Nachmittag alles aus ihm rauszuholen, danach sei er nicht mehr zu gebrauchen. So reichte es nur noch für unbedeutende Auftritte in B-Filmen wie Im Sumpf des Grauens (1959) oder für Nebenrollen in größeren Projekten wie Flucht in Ketten (1958). Gordon allerdings, der von sich sagte, er habe eh nie Probleme mit Schauspielern gehabt, nannte ihn „perfekt“, die Arbeit mit ihm sei „ausgezeichnet“ gewesen. Während des Drehs hatte er zwar immer Gin-Flaschen am Set gesehen, aber erst am Ende wurde ihm klar, dass Chaney inzwischen ein Alkoholiker war. Nichtsdestotrotz hatte er mit Chaney keinerlei Probleme.

Ebenfalls an Bord kam James Craig als Held und Retter der Geschichte, dessen Part er den Umständen entsprechend auch gut ausfüllt. Craig hatte ebenfalls einst Aussicht auf eine größere Karriere gehabt hatte. Angefangen hatte er mit kleineren Statistenrollen, etwa in Karloffs The Man who Changed His Mind (1936) oder als Reporter im Karloff & Lugosi Vehikel Black Friday (1940). Im Fantasyfilm Der Teufel und Daniel Webster (1941) konnte er in einer größeren Rolle überzeugen und bekam einen Vertrag bei MGM, wo er sogar als Konkurrent zu Clark Gable gesehen wurde. Doch dauerhaft konnte er sich nicht etablieren, Ende der 40er ging es hauptsächlich zu B-Filmen und einigen Western, in den 50ern ging es entsprechend weiter, bis er bei The Cyclops unterkam.

Als Protagonistin und besorgte Ehefrau sehen wir Gloria Talbott, die neben einigen Western- und Fernsehauftritten, besonders dem Fan des 50er Jahre B-Films in Erinnerung sein dürfte. Im Klassiker I Married a Monster from Outer Space (1958) spielt sie etwa die Hauptrolle, ansonsten trat sie neben John Agar auch in Die Totengruft des Dr. Jekyll (1957) auf, oder später in The Leech Woman (1960). Mit Gordon kam sie allerdings nicht aus und vermied ihn nach eigener Aussage, so gut es ging. Laut ihr war er wie ein „Besessener“, da er alles schnell fertigbekommen musste. Seine Frau sei nett gewesen, aber er selbst hätte eine „Nichtbeachtung“ gegenüber Schauspielerinnen gehabt, so Talbott weiter, da Gordon ihr Schauspiel nach der ersten Szene auch kritisiert hatte.

Als Pilot der Truppe (und am Set als Saufkumpan von Chaney, wie sich Talbott erinnerte) präsentiert sich Tom Drake, der seine größten Erfolge in den 40ern bei MGM erlebt hatte. Dort hatte Gordon ihn auch im Musical Meet me in St. Louis (1944) oder The Green Years (1946) gesehen. In den 50ern war er hauptsächlich im Fernsehen tätig, neben The Cyclops hatte er mit phantastischen Filmen allerdings nichts mehr zu tun.

Mehr wichtige Akteure außer der Vierer-Truppe gibt es auch nicht, dennoch sagte Gordon, dass ein nicht unbeachtlicher Teil des Budgets für die Gagen ausgegeben wurde. Und es ereignete sich ein weiterer Zwischenfall, der Gordon Geld kostete: Da der Film in Mexiko spielte, begab sich Gordon mit seiner Kamera und einem Assistenten nach Tijuana, einer mexikanischen Grenzstadt im Westen Mexikos. Gordon sagte später, er wollte nie Stock-Footage nutzten und tat es auch nie (da hatte er wohl den Anfang von King Dinosaur vergessen), schließlich sei er sein eigener Kameramann, sodass er für wenig Geld selber Szenen woanders drehen konnte. So stellte er die Kamera an einem Samstag in die Straße Tijuana und drehte, als sich das Bild plötzlich schwarz färbte – ein Polizist hatte sich vor die Kamera gestellt, der ihn prompt einkassierte und auf die Wache brachte. In gebrochenem Englisch und mithilfe von Zeichensprache, die man überall verstehen konnte, verstand Gordon: Der Polizist wollte Geld und nachdem er die Bestechungssumme überreicht hatte, durfte er gehen. Ansonsten hätte er bis Montag warten müssen, da die Gerichte am Wochenende offenbar geschlossen hatten.

Das Material aus Tijuana war anschließend nicht mehr zu gebrauchen. Gedreht wurde stattdessen am Paradise Cove, westlich von L.A. Die Höhle, in der die Truppe am Ende des Films vor dem Zyklop Zuflucht sucht, war hingegen wieder der Bronson Canyon. Für die Szenen im Flugzeug wurde in einer kleinen Attrappe auf einer Sound-Stage gedreht, die Gordon gemietet hatte. Talbott erinnerte sich, dass Chaney und Tom Drake exzessiv getrunken hatte, sodass der Geruch des Alkohols so stark war, dass sie schwankte, als die Szenen fertig waren. Ansonsten nannte sie Chaney allerdings einen sehr netten Menschen: Seine Mutter kam ab und zu zum Canyon, brachte Mittagessen mit und sie brachte ihm irgendwann eine Luftmatratze mit, auf der er einen Mittagsschlaf hielt. Gordon sagte, die Drehzeit belief sich auf knapp zwei Wochen, Talbott hingegen sagte, es wären nur fünf oder sechs Tage gewesen. Angesichts des Budgets und der Laufzeit von lediglich einer Stunde erscheint Talbotts Schätzung realistischer. Vielleicht berechnete Gordon aber auch seinen unfreiwilligen Zeitverlust in Mexiko mit ein.

Nun ist The Cyclops durch und durch ein Ergebnis der 50er Jahre. Das Drehbuch vermengt zahlreiche Versatzstücke und Klischees des Science-Fiction Kinos jener Jahre: Natürlich ist Atomstrahlung für das enorme Wachstum der Tiere (und demnach auch Menschen) in dem Gebiet verantwortlich ist, wie in fast allen Filmen der 50er, in denen man irgendeinen Grund brauchte, um das Monster zu erklären. Natürlich erscheint dies nicht besonders kreativ, aber es ist dem Plot dienlich und tut im Grunde auch nichts zur Sache, außer zusätzlich den Konflikt innerhalb der Gruppe anzufachen: Als gieriger Geschäftsmann und opportunistischer Egoist will sich Chaney das gefundene Uran natürlich zu Eigen machen, sodass er das Ziel von Susan, ihren Mann zu retten, untergräbt.

Nach der längeren Exposition dauert es trotz der kurzen Laufzeit von 60 Minuten dennoch einige Zeit, bis man Schauwerte zu sehen bekommt. Zuerst sind es vergrößerte Tiere, die auf typische Bert I. Gordon Art ins Bild integriert wurden.

Wenn der Koloss dann aber auftauchen darf, so enttäuscht er nicht, insofern man trashige Effekte aus alten Zeiten gernhat. Im Grunde sieht man hier auch das, was Gordon bei AIP in Der Koloss und Gigant des Grauens erneut abspulte: Einen glatzköpfigen Mann, der schreit, brüllt und Sachen zerstören will, beziehungsweise in diesem Falle hier die Leben der Truppe. Das liegt auch daran, da Gordon hier schon denselben Schauspieler benutzte, der später auch in Gigant des Grauens alles in Schutt und Asche legen sollte: Dean Parkin, der über den Make-Up Mann Jack Young, ein Freund seiner Eltern, zum Projekt dazustieß. Zuvor war er noch nie in einem Filmprojekt aufgetreten, doch viel muss er hier eben auch gar nicht tun. Jack H. Youngs (der bis 1980 im Geschäft war, hauptsächlich für Horror, aber u.a sogar für Apocalypse Now) Maske reicht da völlig aus: Das Gesicht des Zyklopen ist entstellt, die Zähne entblößt: Zusammen mit dem monströsen Gebrüll ergibt das ein durchaus brauchbares B-Monster.

Und für die Geräusche des Mutanten gab Gordon sogar extra 5000 Dollar aus, sodass die Sounds von Paul Frees hergestellt wurden. Als Sprecher war Frees auch an größeren Projekten beteiligt, etwa an Kampf der Welten (1953) oder Das Geheimnis des steinernen Monsters (1957).

Highlight ist sicherlich der Kampf zwischen dem Zyklopen und einer Riesenschlange. Für diese Boa Konstriktor namens Consuela war erneut Ralph Helfer zuständig. Beim Drehen der Szene gab es allerdings Probleme, die Schlange sei laut Parkin „nicht Glücklich“ mit der Situation gewesen, als man sie um Parkin schlang. Laut diesem war es eine „erschütternde“ Erfahrung – aber für einen Stuntman hatte Gordon wohl kein Geld mehr (oder er sparte sich dieses einfach. Zur Sicherung der Schauspieler war Tiere anbelangt gibt es auch eine Anekdote zu Insel der Ungeheuer, sie dort zu mehr).

Ursprünglich sollte die Firma RKO den Film herausbringen: Das Studio hatte einst mit Klassikern wie King-Kong oder Vom Winde verweht unter David O. Selznick (der etwa auch Agars Karriere initiierte) große Erfolge gehabt, doch in den 50ern lief es sehr schlecht, sodass nur noch B-Filme wie Killers from Space reichte. Der Film sollte ursprünglich mit Hammers XX... Unbekannt (1956) in einem Double-Feature erscheinen, aber RKO brach zusammen, sodass der Film erst knapp eine Woche nach Gordons Beginning of the End (1957) erschien. Dann lief er Zusammen mit Edgar G. Ulmers Die Gruft des Dr. Jekyll im Double-Feature. Allerdings war er offenbar weniger erträglich, als man erwarten könnte: Nach einem Bericht in der Variety nahm er nur 68.000 Dollar ein und konnte sein Budget so nicht wieder einspielen. Für Gordon sollte es aber dennoch weitergehen.

Und The Cyclops ist so am Ende sein erster Film geworden, den man ohne schlechtes Gewissen Empfehlen könnte: Er ist trotz seiner 60 Minuten zwar nicht gerade temporeich, aber die netten Effekte im Finale, durch das Auftreten des Zyklopen und einer annehmbaren Performance von Chaney Junior, ist der Film für Freunde 50er Jahre B-Films einen kleinen Blick wert!