Serpent Island:

Original-/Alternativtitel: /

Jahr: 1954

Regie: Tom Gries

Darsteller: Sonny Tufts (Pete Mason), Mary Munday (Ricki André), Tom Monroe (Kirk Ellis)

Vorwort:

Ich will ja einen möglichst großen Output für diese Seite erreichen, also habe ich nochmal nachgeschaut, was ich so auf Halde hatte. Und da sprang mir das begonnene, aber nicht beendete Projekt eines Buches über Mr. Bert I. Gordon, aka Mr. Big, ins Gesicht. Die Kritiken sollen ja nicht einfach so im Archiv dahinvegetieren, die, die ich bereits mehr oder weniger fertiggestellt hatte, denke ich, kann ich dann auch genauso gut hier veröffentlichen. Da das Ganze mit einem Blick auf etwaige Verlage hin geschrieben wurde, unterscheiden sich diese Kritiken auch von den anderen Besprechungen meiner Seite, sprich: Sie sind sachlicher, mit mehr Hintergrundinformationen und vor allem weniger Ironie verfasst. Das nur so am Rande.

Wer Mr. Bert I. Gordon nun ist, das denke ich, muss ich nicht nochmal extra erklären. Er ist eine Eigenmarke, wie sie nur die 50er Jahre hervorbringen konnte. In meinem Buch über die 50er Jahre Monster- und Science-Fiction Filme (gibt’s hier zu bestellen) habe ich seinem Leben ein paar Seiten gewidmet. Der gute Mann hat uns nämlich eine Menge absurder, grotesker und verrückter Filme beschert, die das Buch auch alle hätte abdecken sollen. Angefangen eben von Serpent Island, wo er nur als Kameramann dabei war, bis hin zu seinem letzten Werk Secrets of a Psychopath von 2015, wo er immerhin schon 95 war! Einen langen Atem hatte er, der Bertl…

Inhalt:

Ricki will den Schatz ihres Urgroßvaters finden und führt deswegen eine Expedition in die Südsee an. Sie heuert den Kapitän Kirk und den ehemaligen Marine Pete an. Zusammen brechen sie auf, doch nicht nur Konflikte innerhalb der Gruppe machen Probleme: Als sie die Insel erreichen, finden sie dort einen Voodoo-Kult vor...

Besprechung:

Dass jeder einst klein anfangen musste, ist bekannt – auch Mr. Big war davor nicht gefeilt. Bert I Gordons erster Credit ist Serpent Island: Ein winziger Low-Budget Film, gedreht auf 16mm, aber immerhin in Farbe.

Wie es dazu kam, kann bereits dem Vorwort entnommen werden: Auf dem Weg zum optischen Labor eines Freundes traf Gordon den Mann, mit dem er seine ersten beiden Filme machen sollte: Tom Gries. Gries war am 22. Dezember 1922 in Chicago geboren worden und war somit derselbe Jahrgang wie Gordon – und hatte denselben Traum. Im Gegensatz zu Gordon hatte er seinen Fuß zum Produktionsbeginn von Serpent Island allerdings schon „in der Tür“: 1951 war er bereits als Co-Drehbuchautor des B-Westerns …Und jetzt wird Abgerechnet in Erscheinung getreten, es folgten kleinere Arbeiten als Schreiber an Fernsehserien wie Boston Blackie oder als Produzent. In dieser Funktion war er sogar am Science-Fiction B-Film Donovans Hirn von 1953 beteiligt, der auf einem Drehbuch des bekannten Schriftstellers Curt Siodmak basierte.

Mit Serpent Island begann nun aber auch seine Karriere als Eigenproduzent. Nach Gordons späterer Erinnerung verdiente keiner am Set irgendwas an dem Film: Das Budget soll lediglich winzige 18.000 Dollar betragen haben, was selbst für die 50er so gut wie nichts war. Selbst Sparfuchs Roger Corman, mit dem Gordon später zusammenarbeitete, musste für seinen ersten Monsterstreifen, Ausgeburt der Hölle, wohl mindestens 23.000 Dollar ausgeben (hier variieren die Zahlen allerdings). Dementsprechend kocht der Film auf äußerster Sparflamme.

Und wer hier aufgrund des Titels und des Mitwirkens von Bert I Gordon einen Monsterfilm erwartet, liegt falsch: Tatsächlich ist der Film eher als Abenteuerfilm zu klassifizieren, denn Monster gibt es zu keinem Zeitpunkt zu sehen. Thematisch schließt sich der Film an die „Voodoo“-Filme des Jahrzehnts an, einem Subgenre, dass im B-Kino der damaligen Zeit des Öfteren ausgeschlachtet wurde. Versprach diese doch, zumindest für die damalige Zeit, „exotische Schauwerte“, für die man auch nicht viel Geld ausgegeben werden musste. Dementsprechend sind die Highlights des Films trommelnde indigene, ein paar Feuerschalen und „mysteriöse“ Rituale. Ähnliche Beispiele wären etwa Voodoo Woman, Voodoo Island Woodoo – Im Blutrausch des Dschungels oder Rache auf Haiti (1954, u.a mit John Agar).

Der Film ist trotz seiner kurzen Laufzeit von knapp 61 Minuten sehr redselig. Bis die Charaktere überhaupt die Insel erreichen, vergehen bereits knapp 34 Minuten, und auch danach entsteht kein Spannungsbogen. Gries, der sich auch für das lahme Drehbuch verantwortlich zeigt, schafft es nicht, irgendeine Szene auch nur annähernd spannend zu gestalten, im Gegenteil: Der Film ist enorm statisch, und die Dialoge sind zum Teil unsinnig. Bereits der zu Anfang aus dem Off gesprochene Monolog, sowie auch spätere Gespräche ziehen sich wie Kaugummi. Lediglich ein Witz könnte als gelungen Bezeichnet werden, als Pete und Ricky am Strand Trommeln aus dem Dschungel hören:

„What’s that?“ – „Maybe ist a republican party convention?“

Die Charaktere beschränken sich auf Abziehbilder: Zwischen Pete und Kirk etabliert sich schnell eine sinnlose Fehde, in dessen Mittelpunkt Ricki steht, die dem Zeitgeist entsprechend nichts zu melden hat – und auch nichts tut. Auf dem Schiff sonnt sie sich lediglich, auf der Insel geht sie erstmal schwimmen und als in ihrer Kajüte ein Mann auftaucht und den Brief klaut, fällt ihr nichts Anderes ein, als an Deck zu laufen und zu schreien. Pete ist dementsprechend der Retter, doch auch er hat nicht viel zu tun.

Und dabei ist sein Darsteller, Sonny Tufts III, einst ein Schauspieler mit Potenzial für eine größere Karriere gewesen. Geboren wurde er als Bowen Charleston Tufts in eine wohlhabende Familie, deren Wurzeln sich sogar bis in das Jahr 1638 zurückverfolgen lassen, als seine Familie in die USA kam. Sein Großonkel war College-Gründer in Boston, sein Vater Bankier. Er studierte in Yale, war Mitglied der Sänger-Gruppe „The Wifenpools“ und betätigte sich auch in verschiedenen Bands an der Universität. 1938 kam er zum Broadway und als ein früherer Mitstudent ihm empfahl, nach Hollywood zu gehen, probierte er es: Er bekam einen Vertrag bei Paramount, sein erster Film war 1943 So Proudly We Hail! Und durch einige Sportverletzungen aus seiner Studenten-Zeit blieb er vom Kriegsdienst verschont. In den 40ern trat er so in einigen Filmen auf, doch sein Stern begann alsbald zu sinken. Er wurde von einigen Frauen auf jeweils knapp 25.000 Dollar verklagt, er hätte sie in die Waden gebissen, außerdem litt er unter seinem Alkoholismus, der ihm auch viele Probleme einbrachte. 1953 trat er im grotesken Cat-Women Of The Moon auf (wo sich Serpent Island übrigens auch beim schrägen und schmerzenden Soundtrack bediente).

Serpent Island war das Ergebnis dieser Probleme und hier zeigt er dementsprechend keinerlei Qualitäten. Seine Karriere kam auch nicht mehr aus dieser Misere heraus, trotz eines Entzugs, einen geplanten Auftritt neben John Wayne in The Alamo (1959) kam nicht mehr zustande. Später behauptete er, er hätte zwei Millionen Dollar verprasst „und Spaß dabeigehabt“ – er verstarb 1970.

Für Rickis Darstellerin, Mary Munday, war es hingegen die erste Rolle, für die sie in den Credits genannt wurde. Eine große Karriere war ihr nicht bescheiden – sie spielte hauptsächlich in Fernsehserien oder kleine Nebenrollen in Filmen. Während des Drehs kam sie allerdings offenbar Tom Gries näher, den sie später heiratete. Das Paar bekam drei Kinder, ließ sich 1972 allerdings wieder scheiden. Tom Monroe, der Kirk spielt, hatte allerdings eine längere, ergiebigere Karriere von über 100 Auftritten in TV und Film. Meistens spielte er aber nur kleinere Rollen. Auftritte in „echten“ Science-Fiction Filmen wären etwa Dr. Jenkins unheimliche Nächte (1953) oder Two Lost Worlds (1952).

Serpent Island ist schließlich ein Film, der zu Recht völlig in Vergessenheit geraten ist. Der Film lief im Kino, doch Gordon sah ihn selber wohl niemals wieder, weil er in späteren Interviews auf die Frage, ob der Film inzwischen verschollen sei, antwortete, er wisse es nicht. Somit ist der Streifen nur durch die Tatsache von irgendwelchem Interesse, da es Gordons erster Gehversuch als unabhängiger Filmemacher war: Aber wir wissen ja, dass er bald dazu imstande war, wortwörtlich Großes zu vollbringen...

Die Zeitungswerbungen stammen erst von 1955, also kam der Film 1954, wenn überhaupt, erst 1955 in die Kinos, oder lief einfach direkt im Fernsehen.