Original-/Alternativtitel: /

Jahr: 1955

Regie: Bert I. Gordon

Darsteller: William Bryant (Dr. Martin), Wanda Curtis (Dr. Bennett), Douglas Henderson (Dr. Gordon), Patti Gallagher (Dr. Pierce)

Vorwort:

Weiter geht es mit der Resteverwendung der nicht umgesetzten Bert I. Gordon Buchveröffentlichung. Diesmal ist’s King Dinosaur, der bei Letterboxd aktuell, meiner bescheidenen Liste nach, auf Platz Fünf der schlechtesten phantastischen Filme des 20. Jahrhundert dahinsiecht. Das muss man erstmal schaffen (und nein, weder Plan 9, noch The Beast of Yucca Flats oder Monster a-Go Go befinden sich in den Top-10). Es hat etwas sehr Gutes: Da ich irgendwann die komplette Bottom-100 Liste hier besprechen will, kann ich King Dinosaur schon mal abhaken, denn auf eine Zweitsichtung könnte ich in diesem Jahrzehnt gut verzichten…

Inhalt:

Im Sternensystem taucht plötzlich der Planet Nova aus dem Nichts auf. Schnell wird eine Crew von Astronauten damit beauftragt, den Planeten zu untersuchen. Nachdem sie gelandet sind, finden sie dort zahlreiche Tiere vor, aber auch eine riesige Echse...

Besprechung:

Nach Serpent Island wagte Gordon den Sprung auf den Regiestuhl und tat sich dazu mit Al Zimbalist zusammen, einem produktiven Filmproduzenten mit ukrainischen Wurzeln, der immerzu billigsten Quatsch finanzierte. So produzierte er eben auch Cat-Women of the Moon oder den legendären Trash-Film Robot Monster, der vielfach als heißer Anwärter für das Siegel „Der schlechteste Film aller Zeiten“ gehandelt wurde und bis heute diesen Ruf mit sich herumträgt. Als Drehbuchautor fungierte erneut Tom Gries, der hier eine wahnwitzige Story zusammenschusterte, die selbst für den Science-Fiction Film der 50er Jahre haarsträubend war – nach eigener Aussage habe aber auch Gordon selber am Drehbuch mitgearbeitet. Ein Planet, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht, war selbst damals mit kruden Theorien nicht mehr vermittelbar. Bereits 1953 hatte ein gewisser Guy Reed Ritchie einen Film selben namens für Zimbalist geschrieben, der offensichtlich darauf abzielte, aus der lukrativen Neuaufführung des Klassikers King-Kong von 1932 Kapital zu schlagen. Später wurden auch der B-Spezialeffektkünstler Jack Rabin und der Produzent Carl Dudley in Zusammenhang mit dem Projekt erwähnt, aber offenbar wurde es in dieser Konstellation nie umgesetzt.

In den Credits des fertigen Films hingegen steht, dass diese „Geschichte“ auf einer „Idee“ namens „Beast from Outer Space“, die von Gordon und Zimbalist ausgedacht worden sein will, basierte. 

Und schnell zeigt sich, dass Gordon hier schon das tat, was er später noch allzu oft tun sollte: Objekte ins Bild einfügen. In diesem Falle ist es eine V2-Rakete, die unsauber auf dem Planeten Nova landet (und dabei mitunter auch durchsichtig wird). In der Tat wirkt der Film nicht wie Science-Fiction, sondern wie ein Kindertheater, dass selbige zu imitieren versucht. Der „außerirdische Planet“ entpuppt sich als gewöhnlicher amerikanischer Wald, mit einem See, Pflanzen, Wiesen und allem Drum und Dran, sodass die Crew sich bald auch ihre Astronautenanzüge (die eher an Karnevalskostüme erinnern) entledigen und normal herumspazieren können. Zudem kreucht und fleucht es in ganz gewöhnlicher Weise, Schlangen, Krokodile und Lemuren treiben sich herum. Der Zeitgeist der 50er tut sein Übriges – zwar sind auch zwei Frauen unter den „Astronauten“ doch diese tun in der Tat absolut nichts, bis auf Schreien und sich in die Arme der Männer fallen lassen. Schon der Anblick einer Schlange versetzt sie in Kreischanfälle.

Ansonsten beschränkt sich Gries Drehbuch auf wenig Spektakuläres. Das Kinoplakat verspricht zwar „Terror! Nothing like in in 150 Million Years!“, dass man „shocked“, „stunned“ und „thrilled“ sein wird, doch Anlass dazu gibt es nicht. Die Crew läuft lediglich durch den Wald, fährt über den See und kommentiert. Eine echte Handlung oder einen Spannungsbogen, irgendeinen Konflikt gibt es nicht. Zumindest bis zum Ende, denn dort darf der „King Dinosaur“ endlich auftauchen. Gordon nutzte hierzu einfach einen Iguana, der etwa katzengroß war. Er versuchte ihn mit einem Haartrockner zu lenken, doch das Tier regte sich einfach nicht und man versuchte ihn einen ganzen Tag dazu zu bringen, sich zu bewegen. Erfolglos. Einen Drehtag und viel Filmmaterial später besuchte Gordon die Bücherei und recherchierte – da Reptilien wechselwarm sind, waren sie entsprechend der Umgebungstemperatur aktiv. Und da das Set wohl zu kalt war, behalf sich Gordon (zumindest nach eigener Aussage) mit Heizkörpern, die die Temperatur und die Aktivität des Tieres anheben sollte, sodass am Ende doch noch alle benötigten Szenen im Kasten waren. Mithilfe von Split-Screen integrierte er das Tier einfach in das Bild, um es gegen die Crew kämpfen zu lassen. Natürlich hat der „King Dinosaur“ so am Ende wenig mit dem Dino auf dem Kinoplakat gemeinsam und ohnehin müsste man sich fragen, wieso auf einem außerirdischen Planeten Dinosaurier herumlaufen. Die restlichen Monster kreierte Gordon dann aber nicht selbst, sondern fügte einfach Stock-Footage des Films Tumak, Herr des Urwalds von 1940 ein. Zusammen mit dem zahlreichen pseudodokumentarischen Stock-Footage vom Anfang ergibt dies gerade noch so etwa einen Film, den man unter dem Label „Science-Fiction“ verkaufen könnte. Zumindest in den 50ern.

Für die Tiere war des Weiteren auch Ralph Helfer zuständig, ein Tierverhaltensforscher, der ebenfalls als nicht genannter Produzent involviert war. Insofern könnte auch Gordons Behauptung, er habe das Problem mit dem inaktiven Iguana gelöst, hinterfragt werden. Helfer erinnerte sich, dass in der Nähe des Big Bear Lake östlich von Los Angeles für etwa eine Woche gedreht wurde. Anschließend wurde auch am legendären Bronson Canyon gedreht, den Kenner des phantastischen Films der 50er nur zu bekannt sein dürfte. Seinerzeit diente er als billige Location für etliche Regisseure, unter anderem auch für Roger Corman. Nach Helfer betrug die Drehzeit so insgesamt knapp zwei Wochen. Bert I Gordon bezeichnete er als ganz netten Mann, die Zusammenarbeit war in Ordnung und die gesamte Crew habe hart gearbeitete, um den Film zu vollenden. Für Helfer war es ebenfalls der Beginn in der Filmwelt, später arbeitete er etwa noch bei Filmen wie Die Insel des Dr. Moreau (1977) oder Gefangene der Bestien (1981). Mit an Bord war auch eine Phyton oder „Joe“, ein kleinerer Bär.

Laut Gordon kostete der Film „unter 50.000 Dollar“ und wurde anschließend von Robert L. Lippert gekauft und verliehen. Beim Betrachten des Werkes scheint dies allerdings mehr als unglaubwürdig, sodass man eher anderen Quellen glauben muss, die lediglich ein Minimalbudget von nur 15.000 US-Dollar angeben. Man könnte spekulieren, dass Gordon durch seine Behauptung lediglich den Preis bei Lippert hochtreiben wollte, eine Masche, die nicht unüblich war. So versuchte auch Roger Corman sein Debüt Monster From the Ocean Floor (1954) für einen „überteuerten“ Preis an Lippert zu verkaufen: Der Film hatte in Wirklichkeit nur circa 12.000 Dollar gekostet, Corman behauptete, er habe 100.000 Dollar gekostet und verlangte von Lippert so 110.000 Dollar! Bei diesem Fall verstand Lippert allerdings und schlug jenes überteuerte Angebot aus. Wieso er hierfür 55.000 Dollar bezahlte, bleibt wohl ein Geheimnis – insofern Gordons Behauptung stimmt.

Da viele der ohnehin nur wenigen Requisiten geliehen waren, wurde das Minimal-Budget zudem entlastet. Außerdem setzt sich der Cast nur aus vier äußerst unbekannten Akteuren zusammen, die wohl für eine winzige Gage werkelten: Wanda Curtis trat hier zum ersten und letzten Mal vor eine Kamera und ihre Kollegin Pattie Gallagher arbeitete nur noch in einer Handvoll weiteren Statistenrollen. Die Männer, Douglas Henderson, der mit Helfer befreundet war, sowie William Bryant arbeiteten noch deutlich länger, wenngleich auch in kleineren, unbedeutenden Rollen.

Oftmals heißt es, der Film sei einer der Kandidaten für den schlechtesten Dinofilm aller Zeiten. Kann man dem zustimmen? Als Dinosaurier-Film taugt er ganz sicher nicht, aber auch so ist King Dinosaur ganz sicher kein guter Film, auch in der Filmographie von Bert I Gordon. Aber ist der wirklich so bodenlos schlecht, wie er überall gehandelt wird? Nicht ganz. Bei einer Laufzeit von gerade einmal einer Stunde kann der Auftritt des „Dinos“ am Ende gerade noch so viel entschädigen, dass er irgendwo noch anguckbar ist, insofern man ein Herz für derartige Monster B-Filme hat – gerade in den 50ern gab es doch einige Filme, die schlechter waren. Nicht viele zwar, aber ein paar dennoch.

Gordon verdiente nach eigener Aussage nichts mit dem Film, obwohl Zimbalist und er ein dickes Plus gemacht hätten, wenn Lippert den Film wirklich für 55.000 Dollar kaufte. So oder so ging es für Gordon nun weiter Berg auf und er konnte sich an seinen nächsten Film machen: Beginning of the End! Die Wege mit Tom Gries trennten sich indessen, er startete nun alleine durch, laut Gordon hatten die beide später keinen Kontakt mehr miteinander. Gries produzierte und drehte zahlreiche weitere Filme, darunter auch solche mit Stars wie Charlton Heston in Der Verwegene (1967) oder Charles Bronson in Der Mann ohne Nerven (1975). Er verstarb 1977, als Gordon noch mitten im Geschäft war.