Original-/Alternativtitel: Insel des Grauens

Jahr: 1945

Regisseur: Terry O. Morse

Schauspieler: George Zucco (Leo), Lionel Atwill (Alec Ritchfield), Sharon Douglas (Gail), John Witney (Jeff), Ian Keith (Dr. Lake)

Vorwort:

Heute haben wir mal wieder was richtig Altmodisches. Naja ok, eigentlich haben wir hier fast immer etwas richtig altmodisches, aber das heutige Korpus Delicti dürfte nochmal deutlich angestaubter als hochkarätige Produktionen aus jenen Tagen, nämlich den 40ern, wirken. Diesmal habe ich mir nämlich wieder etwas aus der berühmt-berüchtigten Poverty-Row, also den Armenhäusern Hollywoods herausgesucht. Monogram hatten wir hier schon oft mit Streifen wie The Ape Man und auch Republic Studios kennen wir von Filmen wie The Catman of Paris. Zeit also, dass wir endlich mal das dritte Studio der „klassischen“ Poverty-Row abklappern, das da heißt Producers Release Corporation, kurz PRC. Jap, das ist schon mal ein Name der wirklich viel verspricht. Nach meinem Gefühl nimmt dieses Studio hinter Republic und Monogram die letzte Stufe der B-Studios der 40er ein, bei dem alles nochmal ein Ticken billiger und schneller gehen musste. In den 40ern hielt sich das Haus vor allem mit, wie könnte es anders sein, dutzenden B-Western über Wasser, ab und zu drehte man aber auch Horror, z.B den berüchtigten The Devil Bat mit Bela Lugosi. Da Edgar G. Ulmer aber auch beim Studio werkelte, nachdem er bei den Majors rausflog, brachte es sogar den Semi-Klassiker (und heute allseits geschätztes „Meisterwerk“) Umleitung hervor.

Naja, heute haben wir es sicherlich nicht mit einem „Meisterwerk“ zutun, nämlich nur mit Fog Island. Ein, so heißt es, Whodunit mit Mystery-Anstrich. Na, das kann ja was werden…

Inhalt:

Leo befand sich fünf Jahre im Gefängnis, kehrt nun aber in sein einsames Haus auf „Fog Island“ zurück. Dort wurde vor fünf Jahren seine Frau brutal ermordet. Auch seine Stieftochter Gail ist nun bei ihm. Leo hat einen Plan: Er will seine früheren Freunde, die ihn seiner Meinung nach hintergangen haben, auf seine Insel einladen. Darunter befindet sich seine ehemaligen Geschäftspartner, ein Medium, das er oft befragte, sowie seine ehemalige Sekretärin. Sie alle kommen der Einladung nach, auch wenn einer der Eingeladenen inzwischen verstorben ist, sodass sein Sohn Jeff ihn vertritt. Dieser war bereits mit Gail auf dem College bekannt und versucht nun, sie wieder für sich zu gewinnen.

Nebenbei präsentiert Leo seinen Gästen persönliche „Geschenke“, die Hinweise auf ein Versteck im Haus sind: Einen geheimen Raum, in dem sich eine  tödliche Falle befindet…

Besprechung:

Tja, das hätte ich jetzt nicht erwartet. Bekannt ist ja, dass die Stories bei Horrorfilmen in der Poverty-Row wenig Sinn ergeben, oder originell sind. Die PRC-Horrorfilme, die ich bis jetzt gesehen habe (The Devil Bat, Monster Maker) waren aber durchaus unterhaltsam, in ersterem Falle vor allem wegen Lugosi. Nein, da waren die Monogram-Filme mitunter sinnloser. Bei Horror jedenfalls kann ich aber auf Logik weitestgehend verzichten. Es kommt eben aufs Genre an, aber bei einem Whodunit sollte ein bisschen Logik und Kohärenz schon vorhanden sein. Bei Fog Island ist dem Studio aber offenbar alles drunter und drüber gegangen, denn Sinn ergibt hier wirklich fast nichts. Ich bin kein großer Whodunit-Experte, die Klassiker (also die Agatha Christie Verfilmungen) habe ich fast alle gesehen, ansonsten darf ich inzwischen auch ein paar Charlie-Chan-Filme aus der Zeit auf meiner Liste stehen haben. Allgemein mag ich sowas ab und zu, wenn ich in dem Genre auch kein Komplettist bin, also unbedingt alles gesehen haben müsste. Bei Fog Island stimmte aber der Cast auch: George Zucco in der Hauptrolle, zu dem ich mich schon bei The Mad Ghoul äußerte, und das zugegebenermaßen nicht unbedingt überschwänglich. Aber schließlich spielt auch Lionel Atwill mit, den ich, wie schon in diversen Reviews geschrieben, immer wieder gerne in solchen Filmen sehe. Außerdem wird er auf dem Plakat, fein mit Dolch in einer sinistren Pose, auch hervorgehoben.

Aber nun zurück zum Skript, und damit auch zum Hauptproblem des Streifens. Das ist nämlich, passenderweise, komplett vernebelt und undurchsichtig, wie auch zahlreiche Szenen des Films selber. Dass es seinen Ursprung im Theater hat, ist sofort erkenntlich (es gibt nur ein paar Räume, die meisten Szenen finden im Wohnraum von Leos Villa statt) – angeblich soll PRC 30.000 Dollar für die Rechte bezahlt haben, was ja absolut lächerlich ist, denn der Film dürfte am Ende nicht mehr als 70.000 Dollar gekostet haben. Und da bekannt ist, dass die Drehbuchschreiberlinge bei PRC pro Skript ohnehin nur so 200 Dollar bekamen (die Armen), kann man diese Behauptung getrost ins Reich der Fabeln verweisen.

In diesem Falle stammt das Skript von einem gewissen Pierre Gendron, der in den 20er Jahren als Schauspieler aktiv war, dann aber hinter die Schreibmaschine wechselte und bei PRC u.a den schon benannten The Monster Maker sowie Ulmers Bluebeard mit Carradine textete. Auch wenn ich letzteren noch nicht gesehen habe, hört sich das ja noch gar nicht sooo schlecht an. Bei Fog Island frage ich mich aber, was er da beim Schreiben geraucht hat – offenbar war sein Hirn nämlich so vernebelt, dass er weder an Abwechslung noch an allgemeine Logik gedacht hat. An sich ist die Grundlage des Films alt bekannt, basiert nämlich auf dem beliebten „Zehn kleine…“ (Moment, nein, nehmen wir lieber den Alternativtitel, bevor sich jemand beschwert) „Und dann gab’s keines mehr“-Prinzip, sprich: Ein paar Leute kommen auf eine Insel, wo sie dann umgebracht werden. So weit der Plan, so weit so gut. Gewinnt keine Originalitätspreise, reicht aber aus, um mit dem Cast ein zumindest kurzweiliges Mystery-Play aufzuziehen. Die Charaktere werden schnell eingeführt, man bekommt eine Ahnung von den Hintergründen und Krisen der Vergangenheit, ohne dass die Exposition zu nervig wird oder zu lange geht. Die Figuren kommen auf der Insel an… tja, und dann sollte eigentlich der „Mörderspaß“ losgehen – dazu kommts aber schlichtweg nicht. Tatsächlich gibt es in dem Film keinen einzigen klassischen Mord, stattdessen… ja, was passiert eigentlich? Man kann es gar nicht so richtig beschreiben, außer: „Leute laufen im Dunkeln durch (Geheim)Gänge“. Leo gibt jedem seiner Feinde ein Päckchen mit „Hinweisen“, als hätte er irgendein Versteckspiel mit bösem Ende für sie geplant. So eine Art Rätsel, das sie lösen müssten. Nur ergibt das alles einfach keinen Sinn und ich kann’s auch gar nicht sinnvoll wiedergeben, eben weil ich keinen Sinn darin sehen, argh…! Also: Einer von Leos Gäste erhält einen Kugelschreiber, einer einen Totenkopf, einer ein Buch mit dem kleinen Ein-Mal-Eins, ein anderer erhält eine Art Feile… Spoiler, bis auf den Kugelschreiber kommt keines der Geschenke jemals wieder vor, weswegen diese schonmal absolut obsolet sind.

Und auch wie das „Rätsel“ (Im Grunde sollen die Gäste nur einen Geheimraum in Leos Haus finden, in dem dieser eine tödliche Falle eingerichtet hat) aufgelöst wird, präsentiert sich als trist und einfallslos. Wie gesagt: Die Figuren laufen einfach durch die Geheimgänge, prügeln sich ab und zu und… stoßen halt irgendwie auf Schlüssel und Tür. Mittendrin gibt’s noch eine langweilige und dumme Romanze zwischen Leos Stieftochter und einem der Gäste, der seinen verstorbenen Vater vertritt. Nein, der Plot ergibt zu keiner Sekunde Sinn, hat keine Dynamik, keine Originalität – kurzum nichts, was es wert wäre, zu verfilmen, eigentlich ist das sogar unter dem Niveau von PRC.

Eigentlich ja ein Todesurteil für einen Whodunit: Es gibt keine Morde (bzw. gibt es die, aber erst im Finale und dann auch eher unkonventionell), wer der Mörder von Leos Frau ist, kann man absolut nicht erraten, da es keinerlei Hinweise gibt, die ein Miträtseln ermöglichen würden, und die Auflösung dahingehend, ja eigentlich die Hauptfrage des Films, wird nebenbei völlig unbefriedigend und dämlich abgefrühstückt. Aber irgendwie hat mir der Film trotzdem Spaß gemacht – warum? Tja, so ein bisschen frage ich mich das auch. Das Skript war aber einfach so blöd und sinnfrei, das es irgendwie schon komisch war, wie die Figuren da im Dunkeln ziellos durch das Haus streifen, sich ohne Verstand auf die Fresse hauen oder, im Falle von Leo, einfach mal so random tot umfallen, ohne dass es dazu einen Grund gegeben hätte – die wohl lustigste Szene im Film. Spoiler: Zucco behauptet erkannt zu haben, dass Atwill der Mörder wäre, ohne jedwede Beweise dafür zu haben, versteht sich. Und während er in Rage redet, fällt er einfach so ohne Erklärung tot um und wird von Atwill, ebenfalls ohne Erklärung, im Nebenzimmer versteckt! Oder der Diener wird eben ins Wasser geworfen, ohne dass sich jemand später wundert, wo er hin ist. Ach ja, und ne ziellose, nichtsbringende Seance gibts auch noch. Nichtsdestotrotz: Mit nur 68 Minuten kommt jedenfalls keine Langeweile auf – zumindest nicht, wenn man sich über das Skript kaputtlachen kann.

Der Cast präsentiert sich angesichts der Dynamik des Films ebenfalls wenig spielfreudig. Ich bin kein allzu großer Fan von George Zucco, insgesamt ist er für mich von allen 40er Jahre Horror-„Stars“ der, der am wenigsten Eindruck hinterlässt., dennoch ist er ganz nett. Als Leo hat er hier die Hauptrolle inne, da er diese, neben seinen Nebenrollen bei den Majors, eben auch nur in der Poverty-Row bekommen konnte. Er ist ganz ok, so wirklich aus sich raus geht er aber nur bei der Szene, in der er sich über Lionel Atwills Figur aufregt. Womit wir auch schon bei Atwill wären: Dieser hat nicht viel zutun, bis auf… im Dunkeln rumlaufen, wie jeder hier eigentlich. Ich weiß nicht, ob es an der Bildqualität lag, aber hier wirkte er auf mich schon etwas „lebloser“, etwas dünner. 1945 war er ja bereits krank und hatte leider nur noch ein Jahr zu leben. Während seine Karriere in den 30er Jahren ja noch sehr vielversprechend aussah, versandete sie nach seinem Sex-Skandal Mitte der 40er Jahre eben in solchen Poverty-Row Hobeln, zumindest wenn Universal nicht gerade eine kleine Nebenrolle für ihn hatte. Nein, man sieht Atwill dennoch gerne, aber man merkt ihm auch an, dass er eben nicht viel zu schaffen hatte in seiner Rolle. Der restliche Cast ist relativ unwichtig und schindet keinen großen Eindruck, insbesondere Sharon Douglas als Leos Tochter wirkt ziemlich hölzern – ohnehin ist ihre Romanze mit Jeff einfach nur doof. Den ganzen Film will sie nichts von ihm wissen, bis kurz vor Schluss, wo plötzlich ihre große Liebe entbrennt. Wegen der Chronistenpflicht sei noch Ian Keith (Valles of the Zombies) als Dr. Lake genannt, aber viel zu tun hat auch er nicht.

Regisseur Terry O. Morse zeigt auch keine Anstalten, irgendwas an Tempo in die Plotte zu bringen. Morse drehte passenderweise bei Monogram ein paar Charlie-Chan Filme, hier zeigt er aber keine Akzente oder Ideen, einzelne Elemente hervorzuheben. Er filmt halt alles plump ab. Aber viele Möglichkeiten hatte er freilich nicht. Erstens besteht der Film sowieso aus drei Sets: Die Geheimgänge, der Hauptraum von Leos Villa (die man nie von außen sieht) und dann noch das diffuse Äußere der Insel. Ohnehin ist es manchmal so dunkel und nebelig, dass man weder sieht, was passiert, noch wer was (warum) tut. Aber gut, es ist ja auch Fog Island, ne?

Gesichtet wurde die Version auf YouTube, selbstverständlich nur im O-Ton, qualitativ ist der Print annehmbar. Einige deutsche Filmdatenbanken geben auch den deutschen Titel „Insel des Grauens“ an, das scheint jedoch ein Fehler zu sein. Meines Wissens nach lief der Film nie in deutschsprachigen Gebieten an, warum auch? Wieso sollte man auch einen PRC-Hobel wie diesen importieren wollen?

Fazit:

Fog Island ist kein guter Film, soviel ist klar. Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes diffuser Whodunit mit einer depperten Story, die zudem keine großen Schauwerte liefert. Ich weiß nicht wieso, aber trotzdem hat er mich unterhalten – sei’s vielleicht auch nur unfreiwillig kurzweilig… es gibt schlimmeres.

5,5/10 Punkten.