Original-/Alternativtitel: La Dama de la Muerte / La Casa Está Vacía

Jahr: 1965

Regisseur: Jerry Warren

Schauspieler: John Carradine (Gärtner), Bruno Vesota (Erzähler)

Vorwort:

Vorneweg sei gesagt, dass das Vorwort zur heutigen Review wahrscheinlich länger werden wird, als die eigentliche Filmbesprechung. Das liegt an drei Fakten: Erstens ist The Curse of the Stone Hand absolut langweilig und inhaltlos, zweitens besteht er aus zusammengeklautem Filmmaterial anderer Genre-Filme (sodass es mir nicht zusteht, diese Schnipsel selber zu bewerten) und drittens ist es ein Werk von Jerry Warren.

Wer sich im Genre-Film bewegt und allerlei Stuss, Schund & Schrott guckt (wie ich), der macht sich mit der Zeit natürlich mit den gängigen großen Trash-Regisseuren bekannt. Über allen thront selbstverständlich Ed Wood. Den dürften sogar viele Kennen, die’s mit dem Trashfilm nicht so haben, Tim Burton sei’s gedankt.

Dann gibt’s etliche Namen, die in den Stufen darunter mitschweben. Man könnte ja glatt einen Eisberg an B-Filmregisseuren alter Tage erstellten, denn mit jedem Namen sind immer durchaus interessante Karrieren, Ideen und eben auch Filme verbunden. Beispiele wären Leute wie Phil Tucker, Andy Milligan, David L. Hewitt, Al Adamson (da habe ich bereits The Black Samurai, Dracula und seine Opfer sowie Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein), Bill Rebane, William Grefé, unser Bert I. Gordon (aka Mr. Big. Da habe ich letztens ebenfalls einige Kritiken gebracht), Ted V. Mikels und Larry Buchanan. Eine, äh, lange Liste, und ich sehe gerade, dass da noch großes Aufholbedarf besteht. Irgendwann möchte ich schon zu jedem dieser glorreichen Filmschaffenden eine Review geschrieben habe (bzw. zu einem ihrer Werke).

Heute ist dann vorerst Jerry Warren dran. Von allen berüchtigten Schundvielfilmern dürfte er der mit dem schlechtesten Ruf sein, in beiderlei Hinsicht, wohlgemerkt. Die Filme von beispielsweise Rebane oder Milligan mögen teilweise sehr langweilig sein, aber bei allen Namen, die ich aufgezählt habe, merkt man wenigstens, dass da Interesse bestand, irgendwas hinzukriegen, irgendetwas für das Publikum zu erschaffen oder zu erzählen. Bei Warren kann man sich hingegen fast immer sicher sein, dass es langweilig wird UND dass er absolut kein Interesse zeigt, das Publikum zu unterhalten. Wie immer gilt: Der Kardinalsfehler eines B-Filmschaffenden sind bei weitem nicht, dass der Film „schlecht“ wäre – die Filme von Wood, Adamson, oder aber teilweise auch von Grefé, Mikels und Hewitt sind zumindest unterhaltsam.

Glücklicherweise habe ich den Vorteil, dass das keine einfache Behauptung von mir ist. Warren sagte es später ja höchst selbst in einem Interview:

I'd shoot one day on this stuff and throw it together...I was in the business to make money. I never, ever tried in any way to compete, or to make something worthwhile. I only did enough to get by, so they would buy it, so it would play, and so I'd get a few dollars. It's not very fair to the public, I guess, but that was my attitude...You didn't have to go all out and make a really good picture.”

Warren mag ja Recht haben, dass man damals keineswegs kompetente Filme machen musste, um Geld zu verdienen (er arbeitete ja praktisch nur fürs Drive-In Kino), dementsprechend entspricht seine hier offengelegte Attitüde zu 100% der Wahrheit. Allerdings hätte man das auch ohne diese Selbsteinschätzung wissen können, dazu reicht nur ein Blick ins eine Filmographie. Klar, jeder Horrorstar (zumindest die meisten) haben irgendwann mal über das Business geschimpft oder auf die Filme, die sie gemacht haben: Carradine besonders, aber auch Christopher Lee, der nicht müde wurde zu betonen, wie schlecht die meisten Hammer-Dracula Filme doch gewesen seien, oder aber auch Bela Lugosi, der 1935 noch meinte, manche seiner Werke wären „vielleicht Trash“ (womit er ja immerhin richtig lag), George Zucco hatte irgendwann auch keine Lust mehr, in schlechten B-Horrorfilmen mitzuspielen, und was manch Horrorstar über manche seiner Werke gedacht hat, liegt ja sowieso im Verborgenen. Aber dennoch haben sie ja alle dennoch das Genre irgendwie gerne gehabt und/oder sich damit arrangiert und es zu schätzen gewusst. Oder aber sie haben es tatsächlich geliebt. Die meisten der oben aufgezählten Namen waren immerhin Regisseur und Produzent in einem, sie konnten sich also aussuchen, was sie drehten – und entschieden sich offensichtlich besonders gerne für phantastisches Material.

Da es Warren eben nur ums Geld ging, verlief seine von keinem Talent gekennzeichnete Karriere dementsprechend. Er fing 1944 als Bit-Darsteller an, wechselte aber alsbald auf die andere Seite der Kamera, und das in wirklich allen Bereichen. 1956 setzte er den Grundstein für seine „Hauptkarriere“, namentlich war es der Yeti-Reißer Man Beast, 1959 folgte The Incredible Petrified World (der vielen als der langweiligste phantastische Film der 50er Jahre gilt), dann drehte er Teenage Zombie im selben Jahr.

Schon diese Werke waren der absolute Bodensatz, selbst im Drive-In Bereich der 50er Jahre. Aber immerhin hatten sie ein eigenes Skript und eine eigene Storyline. Man denkt, das wären die Mindestanforderung für einen Film, aber offenbar war dies Warren immer noch zu viel Aufwand und Mühe, sodass er sich der billigsten Variante des Filmemachens, wenn man es denn so nennen will, zuwandte.

Fortan kaufte Warren also in den USA unveröffentlichte ausländische Genre-Materialien auf, vorwiegend aus Mexiko, aber manchmal auch aus anderen (Südamerikanischen) Ländern. 1962 nahm er den Schwedischen Monsterfilm (!) Rymdinvasion i Lappland und machte daraus Invasion of the Animal People. In den nächsten Jahren ging es munter weiter. Terror of the Bloodhunters war 1962 immerhin noch ein weiterer „Originalfilm“, danach „fokussierte“ er sich auf die Zusammenstümperei von ausländischen Filmen. Aus La Momia Azteca wurde ausgerechnet The Mayan Mummy; aus den Chilenischen Noir-Thrillern La Casa Está Vacía und La Dama de la Muerta wurde Curse of the Stone Hand. Aus La Casa del Terror und La Momia Azteca wurde 1965 The Face of the Screaming Werewolf; aus La Marca del Muerto wurde Creature of the Walking Dead.

Warren stümperte aus diesen Genre-Filmen also eigene Storylines zusammen, schnitt Szenen willkürlich aneinander, damit er es irgendwie als „neu“ verkaufen konnte. Meistens zimmerte er auch noch eine Rahmenhandlung oder neu gedrehtes Material drumherum, um zu versuchen, den Stuss, der das Ergebnis der Film-Kombinierung war, zu kaschieren. Meistens hielt dafür John Carradine her, der für ein paar Dollar ja alles mitmachte. Genau so ist es eben auch bei Curse of the Stone Hand.

Inhalt:

Ein Off-Kommentar erzählt uns, dass in einem abgelegenen Haus in jedem Zimmer eine Steinstatue zu finden ist. Jeder der Hausbesitzer wurde durch diese Verflucht. Im Folgenden werden zwei Geschichten von zwei der Hausbesitzer erzählt.

Besprechung:

Ich hätte ja gerne (obwohl, nein, eigentlich nicht), mehr zum Inhalt geschrieben. Aber wieso soll ich mir die Mühe machen, aus diesem Unfug eine Story zu extrahieren, wenn Warren es doch offensichtlich nicht scherte, dass man da überhaupt versteht, worum es gehen soll.

Wer mit den Hintergründen von Curse of the Stone Hand nicht vertraut ist, der dürfte sein blaues Wunder erleben. Während Warren es z.B bei Attack of the Mayan Mummy tatsächlich schaffte, dass das Ganze noch irgendwie einen kohärenten Eindruck machte, versagt der gute Herr hier wirklich in allen Bereichen. Man sollte meinen, dass es nicht so schwierig wäre, aus zwei Spielfilmen eine Anthologie zusammenzuschneiden. Eine Rahmenhandlung, dann einfach die beiden Einzelfilme auf 30 Minuten runterdampfen, zack, fertig. Da hat er sogar den „Vorteil“, dass er das dramaturgische Drumherum weglassen, und sich auf die Schauwerte konzentrieren könnte. Es gab ja früher auch die Super-8 Fassungen, da hat man ja auch nur die Monster- bzw. Horrorszenen belassen. So hätte Warren es ja auch hier machen können.

Oder, eh, nein, hätte er nicht. Denn es schien weder in La Casa Está Vacía, noch in La Dama de la Muerta irgendwelche nennenswerten Horror-Schauwerte gegeben zu haben. Kein Wunder, denn beides sind keine Horror-, ja nicht mal phantastische Filme. Ich habe die Originalfassungen davon nicht gesehen (falls es sie überhaupt auf Englisch gibt), doch bei den ganzen Schnipseln, die Warren aus diesen Werken entfernte, merkt man, dass es zwar düstere Thriller sind, aber eben keine Horrorfilme. Und bei Thrillern geht es eben um die Story, und nicht primär um Effekte oder Schauwerte. Und da Warren die Story so dermaßen zerschneidet, können diese Szenen, so nett sie in ihrer ursprünglichen Fassung vielleicht gewesen sein mögen, ihre Wirkung keinesfalls entfalten.

Zumindest bei der ersten Episode, zusammengebaut aus Szenen aus La Dama de la Muerta sieht, man noch, worum es im Originalfilm ging. Ein Mann ist pleite und wird in einen Club hineingezogen, der jedem Mitglied die finanziellen Sorgen erlässt. Mit dem Clou, dass regelmäßig Karten gezogen werden müssen: Wer ein Ass zieht, muss getötet werden, wer ein Herz zieht, muss die Asse töten (oder welche Karten es nun auch immer waren). Das ist eine durchaus pfiffige, brauchbare Idee für einen düsteren Thriller, ehrlich gesagt sieht das Original richtig gut aus. Düstere Gothic-Sets, gute Kameraarbeit, erinnert an den fantastischen, mexikanischen Genre-Stoff jener Tage. Nur geht’s bei La Dama de la Muerta eben offenbar um die Story und den Twist (der in Warrens zerschnittener Version ebenfalls durchscheint) und nicht um die „Schockeffekte“, dementsprechend gab es für Warren hier, eigentlich, nichts von Interesse zu klauen.

Gleiches gilt für La Casa Está Vacá, die zweite „Episode“ in Warren „Anthologie“. Im Gegensatz zur ersten Episode versteht man hier rein gar nichts mehr. Im Original ists wohl ein Ehedrama, hier macht Warren so eine „böser Mensch reißt alle um sich in den Abgrund“-Story draus. Doch wer hier was wie und warum tut, das wird keineswegs klar, hier ist kein roter Faden mehr drin. Hier reiht Warren wirklich nur noch jede Szene aus dem Originalmaterial, die ihm irgendwie gefiel, willkürlich aneinander, ohne dass sich Sinn oder Verstand ergeben würde. Nicht mal den Schnitt kriegt er hier gebacken und arbeitet so schlampig, dass bei einigen Schnitten immer noch ein paar Sekunden aus der Szene da vor zu sehen sind. Nur ergibt das hier, in Warrens „neuer Story“, natürlich keinen Sinn, wenn für eine Sekunde eine uns völlig unbekannte Person, Straße oder sonst irgendwas zu sehen sind. Da gibt’s etliche kurze Einstellungen, die völlig obsolet sind, in denen nichts passiert oder auch nix zu sehen ist (leere Straße, eine Lampe, und so weiter). Offensichtlich ist auch immer wieder, dass die Akteure in den Originalfilmen auch nicht annähernd das sagen, was Warren in seinem neuen Film „erzählen“ will. Deswegen muss er bei Dialogen, sofern es neben dem Off-Kommentar welche gibt, immer rasch wegschneiden, denn ansonsten würde man sofort erkennen, dass der neue Text nicht mit dem originalmaterial zusammenpasst.

Das ist alles somit einfach nur noch wirr und Stuss und höchstwahrscheinlich eine wahre Schande, denn die Originalwerke sehen, wie gesagt, vielversprechend und atmosphärisch aus.

Die von Warren gedrehten Szenen sind nicht besser. Dazu gehört ein unsinniger Off-Kommentar, der die zwei Geschichten in die Rahmenhandlung um die „Steinhand“ pressen will. Das Ganze ist aber extrem weit hergeholt, da man jene Steinhand in den geklauten Szenen natürlich nie sieht und sie wird dementsprechend dort auch nie erwähnt. Man merkt, dass da nix zusammenpasst, aber offensichtlich war es Warren wirklich, Verzeihung, scheißegal.

„Lustig“ sind auch die Szenen mit Carradine. Wer meint, Lugosi (bei Wood) oder Karloff (in Mexiko) hätte ungenießbaren Trash gemacht, der muss sich das hier anschauen. Billiger und niveauloser geht’s echt nimmer. Ohne dramaturgischen Zusammenhang sitzt Carradine im Garten und brabbelt unnötiges Zeug über einen „Keller“ und dass man einen Raum dort nicht betreten dürfe – seine Rolle wird auf manchen Seiten übrigens einfach nur als „Old Drunk“ bezeichnet. Lugosis Monolog aus Glen or Glenda ergibt da definitiv mehr Sinn. Soll wohl irgendwie mit den Szenen aus La Casa Está Vacá zusammenhängen, es ergibt sich aber keine Logik und gebraucht hätte es diese Szenen ohnehin nicht. Warren brauchte einfach irgendeinen Horror-Namen, den er aufs Plakat drucken können, und Carradine gab sich ab spätestens 1959 für jeden noch so billigen Reißer her: Er spielte auch in The Incredible Pertrified World oder in dem neugedrehten Material von Invasion of the Animal People. Immerhin, Carradine wirkt nicht komplett gelangweilt (wieso auch immer), aber die wenigen Zeilen, die er herunterzurasseln hat, ergeben halt auch einfach keinen Sinn.

Als Erzähler fungiert dann noch Bruno Vesota, der in den frühen tagen von Corman zu dessen engerem Kreis zählte, und bei AIP einige Rollen inne hatte, z.B in Katakomben des Grauens. In Im Banne der Puppe spielte er z.B das Opfer des Satanskults. Als Nebendarsteller in B-Filmen finde ich ihn eigentlich ganz witzig, war definitiv einer der besseren Bit-Belegschaft des Drive-In Kinos jener Tage, aber eine solch tolle Stimme hat er auch nicht, dass seine Erzählermonologe irgendwas rausreißen würde.

Warren hat als Regisseur auch so vermutlich kaum etwas getaugt, hier kann man ihn als selbigen allerdings nicht bewerten – er hat ja schließlich nicht mehr abgefilmt, als Carradine, wie er Stuss labert. Als, ja, wie soll man es nennen? Als Produzent, Editor, Kameramann, Regisseur, Drehbuchautor und Verleiher zeigt sich Warren hier abermals von seiner schlechtesten Seite: Als jemand, dem das Endprodukt null interessierte. Und damit dürfte er von allen Trash-Auteuren den verdienten letzten Platz einnehmen. Glückwunsch.

Fazit:

The Stone of the Curse Hand ist ein seltenes Beispiel einer völligen Bankrotterklärung in wirklich ALLEN Bereichen, besonders was Motivation & Leidenschaft angeht. Viel Kohle kann so ein Müll auch nicht eingespielt haben, Warren hätte besser damit getan, die Originalfilme synchronisieren zu lassen. VBiel teurer hätte diese Alternative auch nicht sein können. Aber nein, stattdessen meinte er ernsthaft noch, er hätte die "Originalfilme" verbessert, weil diese in ihrer Ursprungsform zu langweilig gewesen sein. Utopischer gehts nicht mehr.

In der vorliegenden Form ergibt das Ding keinen Sinn, ist grausam zusammengeschnitten und dementsprechend langweilig und wirr. Und doch ist es irgendwie faszinierend: Weil man sieht, wie dreist und faul Warren damals vorgegangen ist, und wie er dabei versagt, aus zwei einzelnen Filmen ein neues „Werk“ zusammenzuschneiden… eigentlich müsste ich ja dann fast 0 Punkte geben, aber als „Erlebnis“, als „Erfahrung“ hat das Ding irgendwie doch seine morbide Trash-Faszination. Immerhin eines muss man Warren lassen: Die Chose findet schon nach 69 ihr völlig überrumpeltes und willkürliches Ende.

4.0 / 10.