Original-/Alternativtitel: /
Jahr: 1957
Regisseur: Bert I. Gordon
Schauspieler: Peter Graves (Dr. Ed Wainwright), Peggie Castle (Audrey Aimes), Morris Ankrum (General Hanson)
Vorwort:
Bert I. Gordon Review, die Vierte (nach wie vor Teile aus dem geplanten Buch)…
Inhalt:
Die Journalistin Audrey bekommt ausversehen mit, dass ein kleines Dorf in Illinois über Nacht dem Erdboden gleichgemacht wurde. Das Militär hüllt sich in Schweigen und so versucht sie, dem Geheimnis selber auf die Spur zu kommen. Schließlich zieht sie die Hilfe von Dr. Ed Wainwright hinzu, der beim Ministerium für Landwirtschaft arbeitet. Dieser experimentiert mit Strahlung, um bei Pflanzen ein höheres Wachstum zu erzeugen, doch leider hat das Experiment auch gewisse Nebenwirkungen: Und diese kommen in Form aggressiver gigantischer Wanderheuschrecken...
Besprechung:
Filme mit gigantischen Tieren lassen sich nicht mehr aus dem phantastischen Film wegdenken, schon gar nicht aus dem der 50er Jahre, in der die Drive-In Kinos fast jede Woche von einem neuen Untier heimgesucht wurden. Und dabei hatte die Welle dieser Monsterfilme in den 50ern mit altem Eisen begonnen: Genauer gesagt mit der Wiederaufführung anno 1953 des großen Klassikers King Kong von 1933, der bei dieser sogar mehr Geld einspielte als in seinem ursprünglichen Erscheinungsjahr. Das Publikum wollte also immer noch große Monster sehen. Zwei findige B-Filmproduzenten sahen die Chance gekommen: Jack Dietz und Hal E. Chester kreierten daraufhin zusammen mit Regisseur Eugene Lourié und Effekt-Maestro den Klassiker Panik in New-York, der ein sensationeller Erfolg wurde und die Monsterwelle des Jahrzehnts entfachte. Der Erfolg zog weite Kreise: In Japan wurde ein gewisser Tomoyuki Tanaka im Folgejahr inspiriert, selber etwas ähnliches zu machen, Godzilla war das Ergebnis, und auch in den USA wurde eine Flut an ähnlich gelagerten Filmen auf die Zuschauer losgelassen. Und Warner Bros. setzte im Zuge dieser Erfolge mit Formicula im selben Jahr gleich noch einen weiteren Trend. In den sogenannten „Big-Bug“-Movies wurden kleine Tiere, für gewöhnlich harmlose Insekten zur großen Bedrohung. Jack Arnold zauberte mit einer Tarantel den Klassiker Tarantula auf die Leinwand, daneben wurden aber auch eine Gottesanbeterin (Das Todbringende Ungeheuer), Krabben (Attack of the Crab Monsters), Wespen (Monsters From Green Hell) oder Urzeitschnecken (Alarm für Sperrzone 7) zu den Antagonisten, um nur einige Beispiele zu nennen. Die letzten drei Titel kamen allesamt 1957 heraus – es war quasi das Jahr der Riesentiere.
Und was wäre passender für Mr. Big gewesen, als sich dem anzuschließen? Die Antwort dürfte klar sein, und so machte sich Gordon daran, riesengroße Grashüpfer auf der Leinwand zu entfesseln.
Ermöglicht wurde ihm dies durch die neu gegründete ABPT, einer Tochtergesellschaft von Paramount Theaters. Laut Gordon kam dessen Chef, Irv Levin, selber auf ihn zu, um ihn mit einem Film zu beauftragen. Dies war wohl Ende 1956, denn Levin kündigte die erste Filmproduktion der Firma bereits am 3. Dezember an, wie in der Los Angeles Times desselben Tages schon zu lesen war. Der Titel wurde schon bekannt gegeben, ebenso, dass man in den Republic-Studios in LA drehen wolle. Anscheinend hatte Gordon das Skript bereits fertiggestellt, denn es hieß schon, dass es um riesige Grashüpfer gehen werde. Anbei bietet der kurze Artikel eine lustige Anekdote zu der Zeit, denn weiter heißt es:
„Am-Par is probably playing it safe with this subject and should cash in – if anything is sure these days – on the sci-fi craze.“
Als Schauspieler wurden ebenfalls Peggie Castle und Peter Graves angekündigt. Am selben Tag, dem dritten Dezember, begannen dann offenbar sogar schon die Dreharbeiten, wie in der Variety vom 4. Dezember gesagt wurde. Am 6. Dezember hieß es dann in der Los Angeles Times, dass auch Pat Dean („a blond sexboat“) sowie Morris Ankrum, Richard Benedict, Pierre Watkins und Don C. Harvey verpflichtet wurden.
Gedreht wurde, wie benannt, in den Sound Stages in den Republic-Studios an der Küste von Los Angeles. Für die Szenen der zerstörten Stadt arbeitete man in einem Backlot in San Fernando Valley. Im Hintergrund der Szenen kann man demnach auch einige Berge erkennen, doch da die Handlung bei Chicago spielt, und es dort keine Berge gab, ist dies natürlich ein Filmfehler – auf den Gordon später in einem Brief auch von einem Fan hingewiesen wurde.
Wie üblich drehte Gordon das Filmmaterial, das später hinzugeschnitten werden sollte, und begab sich mit einer kleinen Second-Unit Crew nach Chicago. Am Flughafen in LA allerdings erschien Gordons Kameramann nicht, und so fehlten ihm vorerst das Material und das Skript: Erst in dem Moment, als das Flugzeug losrollte, kam er angelaufen, doch Gordon konnte die Stewardess nicht dazu bringen, noch kurz anhalten zu lassen. Also behalf er sich mit einem Trick, spielte vor, er sei krank, und so hielt das Flugzeug doch noch kurz an, sodass sein Kameramann an Bord kommen konnte. Die obligatorischen Massenpanik-Szenen entstanden dann wie geplant in Chicago, genauer gesagt im hiesigen Lincoln Park und den benachbarten Straßen.
Der schwierigste Teil der Dreharbeiten bestand dann allerdings im Hauptteil – den Grashüpfern. Passenderweise, so dachte er es sich zumindest, litt Texas gerade unter einer Plage der Tiere. Doch Kalifornien konnte sich logischerweise nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ein B-Filmregisseur ein paar der Tiere über die Grenze brachte, wo sie sich wohlmöglich unkontrolliert vermehren würden können. Nach einigen Diskussionen gelang es Gordon jedoch, einen Kompromiss einzugehen – er durfte so viele Grashüpfer wie er wollte importieren, nur mussten sie alle männlich sein. Gesagt, getan: Zusätzlich heuerte er ein paar Insektenkundler von einer texanischen Universität an, um die Vorgänge zu beaufsichtigen und um sicherzugehen, dass wirklich nur männliche Exemplare importiert wurden. Mithilfe eines optischen Printers, eines Blue-Screens, Split Screens und einigen Miniaturbauten fügte Gordon die Tiere dann wieder in das Bild ein. Teilweise ließ Gordon die Tiere aber auch einfach über abgefilmte Fotos von Hochhäusern laufen. Allerdings verringerte sich die Population der Tiere in ihren Käfigen stark, Gordon sagte, er verlor etwa 100 Stück pro Woche, bis er den Grund herausfand: Die Tiere aßen sich gegenseitig. Nichtsdestotrotz hatte er am Ende alle Szenen im Kasten.
In der Variety vom 19. Dezember wurde dann verkündet, dass die Dreharbeiten bereits am 17 abgeschlossen wurden, die Drehzeit betrug somit zwei Wochen. Laut demselben Artikel kostete der Film 300.000 Dollar, doch vergleicht man die finale (objektive) Qualität des Streifens mit ähnlich budgetierten Filmen, so erscheint dies eher unrealistisch. Gordon selbst sagte in der Variety 1958, dass der Film nur 170.000 Dollar gekostet habe, und diese Zahl klingt auch glaubwürdiger.
Doch wie viel der Film nun auch gekostet haben mag – für Gordon, beziehungsweise seine Produzenten, zahlte es sich aus. Der Film lief in insgesamt 244 Kinos an, seine Premiere feierte er am 16. Juni in Chicago, bei der auch Peter Graves und Peggie Castle anwesend waren: Im Roosevelt Theatre hatte er die besten Einnahmen eines Science-Fiction Films jemals. Und dieser Erfolg setzte sich überraschend fort, als er im August in mehreren Großstädten anlief: In Denver, Bufallo und Los Angeles war er in seiner Eröffnungswoche der erfolgreichste Film und auch in Omaha war er äußerst erfolgreich. Zumeist lief er im Double-Feature mit The Unearthly aus demselben Jahr, der ebenfalls von AB-PT produziert worden war. In San Fransisco spielte das Double-Feature 16.000 Dollar in der ersten Woche ein, in Boston 17.000 Dollar, in Omaha 8500 Dollar, in Providence 8000 Dollar und in Detroit innerhalb der ersten beiden Wochen sogar knapp 35.000 Dollar. Auch in Minneapolis schlug er ein und nahm 10.000 Dollar in der ersten Woche ein:
„Newcomers are the smallest numerically within memory. But one of these new bills, “Beginning of End”-“Unearthly” combo, is so socko and holdovers continue so potent that the Loop is well filled by entertainment seekers.“
Insgesamt konnte der Film so 290.000 Dollar einbringen.
In der Variety vom 14. August stand zudem, der Film habe „außerordentliche“ Einnahmen und Irvin Levy kündigte an, er wolle im ersten Jahr von AB-PT insgesamt 10 Filme produzieren. Die Kritiken sind bis heute hingegen gemischt: Einige Kritiker attestierten dem Streifen damals, dass er als Science-Fiction Film solide sei, andere hingegen ließen kein gutes Haar an ihm. Auch heute zeigen einige Kritiker wenig Erbarmen gegenüber dem Film.
Im Grunde zeigt der Film hier keinerlei Kreativität: Wäre der Film ein paar Jahre vorher erschienen, könnte man dies schon eher sagen, doch schon Anno 1957 war die Dramaturgie der Story absolut klischeehaft und orientiert sich an all den anderen Monsterfilmen seiner Zeit, ohne in irgendeiner Weise aus der Masse herauszustechen – zumal die obligatorischen Storypunkte ebenfalls auf das Mindeste reduziert wurden.
Es ist wie in den meisten 50er Jahre Filmen, in denen riesige Monster auftauchen: Zuerst gibt es einen mysteriösen Zwischenfall, hier das Verschwinden eines Liebespaares im Auto gleich zu Beginn, dass schon andeutetet, dass etwas Großes dafür verantwortlich ist. Anschließend stößt ein Zivilist, meistens ein Reporter oder ein Wissenschaftler, auf den Vorfall, so ist es auch hier: Peggie Castle spielt eine Reporterin, die nicht lockerlässt und nachforscht, wieso ein ganzes Dorf dem Erdboden gelichgemacht wird. Infolgedessen kommt natürlich heraus, dass entweder Radioaktivität oder irgendein missglücktes Experiment für die Monstren verantwortlich ist. Gordon kombiniert hier beides: Ein Botaniker, der mithilfe von radioaktiven Elementen überdimensionales Gemüse anbaut, um den Hunger der Welt zu stoppen. Ein Vorwand, der öfters verwendet wurde, um das Existieren mutierter Tiere zu rechtfertigen. Auch Jack Arnold ließ sich von diesem Gedanken zu seinem Klassiker Tarantula inspirieren (zumindest ist dies eine Theorie, die kursiert), und auch im Monster Trashfilm Die Nacht der unheimlichen Bestien (1959) gibt es einen ähnlichen Plot.
Anschließend braucht es nicht mehr viel, um die Action zu zeigen, die das Publikum wünscht: Die Monster tauchen auf und greifen eine große Stadt an. In diesem Falle hier Chicago. Hinzu kommt nun das obligatorische Stock-Footage von Panzern und militärischem Gerät, seriöse Warnungen von Nachrichtensprechern und besorgte Generäle, die in Räumen sitzen. Die Lösung der Probleme offenbart sich in derartigen Filmen dann meistens als eine Idee des Wissenschaftlers. Hier sind es Grashüpfer Lockrufe.
Wer also die Monsterfilme der 50er Jahre kennt (und schätzt) wird bei Beginning of the End nicht überrascht sein, im Gegenteil: Das Skript ist vorhersehbar und mitunter repetitiv, da die Charaktere kaum interessant geschrieben und nur reine Klischee-Abziehbilder sind. Zudem kommt, dass der Film bis auf die Grundbedrohung auch keine weiteren besonderen Ideen bietet. Und Drehbuchschreiber Fred Freiberger kannte sich eben mit derlei aus, schrieb er doch auch an Panik in New-York mit. Zusammen mit Beginning of the End dürfte dieses Monster-Duo auch schon seine bekanntesten Arbeiten sein, ansonsten schrieb er noch viel für Fernsehserien. Auch ein gewisser Lester Gorn schrieb hier mit, doch für diesen sollte es das erste und letzte Drehbuch werden. Die kurze Laufzeit von knapp 70 Minuten werden so gerade noch gut gefüllt, viel mehr hätte die dünne Story aber auch nicht hergegeben. Einige Längen können sich einschleichen, zumal Gordons Regie nicht gerade dynamisch ist, im Gegenteil.
Zumindest der Trash-Freund wird hier und da noch Pluspunkte finden, etwa bei dem theatralischen Geschrei der Opfer.
Doch die benannten Schwächen könnte man vielen Filmen aus jenen Jahren vorwerfen: Viele haben dieselben Schwächen, aber eben auch dieselben Stärken, so ist es auch hier. Auch Beginning of the End kann man einen herrlich-naiven Charme nicht absprechen und Gordons billige Effektkiste tut zusammen mit dem Stock-Footage sein Übriges. Natürlich ist die Illusion leicht durchschaubar, mitunter geradezu offensichtlich, z.B, wenn die Tiere einfach auf Bildern herumkriechen, aber sie machen dennoch Spaß. Die Kampf-Szenen sind durchaus actionreich ausgefallen, auch wenn es nie wirklich große Zerstörungen gibt. Zerstörte Städte werden lediglich erwähnt, aber nicht gezeigt.
Die Akteure passen sich dem Niveau an. Als Protagonistin, die im Grunde nicht mehr zu tun hat, als die Story in Gang zu setzen, sehen wir Peggy Castle. Sie begann ihre Karriere 1947 beim Radio und 1949 bekam sie einen Vertrag bei Universal, als sie beim Essen von einem Talent-Scout entdeckt wurde. Ihre Filmkarriere reichte nur bis 1958, zumeist trat sie in Western auf. 1952 spielte sie auch im antikommunistischen Invasion USA mit, oder 1957 im Horrorfilm Back from the Dead. Ihr Schauspiel ist stark limitiert, die Emotionen kann sie meistens nicht gerade glaubwürdig spielen, aber es genügt für ihren Charakter und das, was sie im Film tun muss. Auf der anderen Seite steht Peter Graves, der in den Kritiken teilweise als „handsome young botanist“ beschrieben wird. Graves begann seine Karriere im Fernsehen, begann seine Filmarbeit 1951 im Westernfach und spielte auch eine kurze Rolle am Anfang des Klassikers Die Nacht des Jägers (1955). Bekannt wurde er natürlich für die Serie Kobra, übernehmen Sie, die von 1966 bis 1973 ausgestrahlt wurde. Im B-Filmbereich bekam er es aber auch oft mit anderen Monstren zu tun: Etwa mit einer riesigen, kriechenden Eistüte, bzw. Cormans Ding, das die Welt beherrschen will (It Conquered the World, 1955), mit glupschäugigen Aliens in Killers from Space (1954) oder später sogar mit einem Werwolf in Scream of the Wolf (1974). Die Sympathien als Wissenschaftler sind bei ihm ganz gut angelegt.
Weitere sympathische Pluspunkte bringt ebenfalls der General, der von Morris Ankrum gemimt wird. Ankrum dürfte dem Monsterfreund nicht unbekannt sein – auch in Invasion vom Mars (1953), Fliegende Untertassen greifen an (1956) oder Angriff der Riesenkralle (1957) spielte er Militär-Angehörige. Der Cast ist im Großen und Ganzen in einem solchen Monster B-Film völlig annehmbar.
Beginning of the End dürfte so heutzutage zwar nur noch eine Randnotiz des phantastischen B-Films der 50er Jahre sein, aber er ist dem Fan dennoch für eine Sichtung empfohlen.
